Christian Pospischil ist seit 2025 Bürgermeister von Attendorn, wurde vergangenen Herbst schon zum zweiten Mal wiedergewählt. Wir wollten wissen, wo er in nicht immer ganz leichten Zeiten Prioritäten setzt.

Christian Pospischil
Top Magazin: Mit Blick auf 2025: Über welche Ihrer Entscheidungen für Attendorn sind Sie besonders glücklich
und warum?
Christian Pospischil: Es ist gut, dass wir vor zehn Jahren begonnen haben, kräftig in die Attraktivität unserer Innenstadt investieren. Das hat sich sichtbar gelohnt! Heute profitieren wir von einer schönen und lebendigen Innenstadt mit historischem Charme und einer immer noch stattlichen Anzahl inhabergeführter Geschäfte.
Top Magazin: Der Haushaltsentwurf 2026 steht unter großem finanziellen Druck. Welche Projekte sind für Sie nicht verhandelbar, obwohl gespart werden muss?
Christian Pospischil: Mir ist es wichtig, dass wir unsere Mittel in Zeiten knapper Kassen auf die Felder konzentrieren, die für die Zukunft der Stadt und die Sicherheit der Menschen am wichtigsten sind: Auf Gewerbeflächen, moderne Schulen und den Brand- und Bevölkerungsschutz.
Top Magazin: Das Zukunftsquartier am Wassertor gilt als Leuchtturmprojekt. Wo stehen Sie aktuell damit und welche Meilensteine sind für 2026 geplant?
Christian Pospischil: Am Wassertor haben wir die seltene Chance, innenstadtnah eine Industriebrache in ein lebendiges Stadtquartier zu verwandeln! Im Jahr 2026 wollen wir die Planung für den Rückbau der alten Halle abschließen und einen Masterplan für die zukünftigen Nutzungen entwickeln. Wenn das geschafft ist, können wir ab 2027 endlich mit dem Rückbau beginnen!
Top Magazin: Sie werben mit besten Standortbedingungen für Unternehmen. Welche Maßnahmen laufen aktuell, welche sind geplant, um die heimische Wirtschaft weiter zu stärken?
Christian Pospischil: Derzeit laufen die Erschließungsarbeiten für das Industriegebiet Fernholte. Dort können wir Unternehmen ab 2028 26 Hektar neue Gewerbeflächen zur Verfügung stellen. Durch die Entwicklung des Ferienparks Waldenburger Bucht stärken wir den Tourismus und setzen zusätzliche Impulse für Handel und Gastronomie. Generell stimmen in Attendorn die weichen Standortfaktoren einfach: Bei der Gesundheitsversorgung, Freizeitmöglichkeiten oder der Kinderbetreuung. Deshalb ist Attendorn super attraktiv für neue Fachkräfte und deren Familien.
Top Magazin: Was macht Attendorn für Sie ganz persönlich zu einer Stadt, in der man gerne lebt?
Christian Pospischil: Attendorn ist einfach „dreimalig einmalig“: Unsere Stadt ist wirtschaftlich bärenstark, aber idyllisch in eine wunderschöne Landschaft mit Biggesee und Attahöhle eingebettet. Aber das Beste hier sind die Menschen: Die packen an und sind authentisch; traditionsbewusst und doch weltoffen und vor allem – feierfreudig!
Tobias Puspas, Bürgermeister von Lennestadt, ist seit 2020 im Amt. Für uns blickt er zurück, zieht Bilanz und spricht über zukünftige Projekte.

Christian Puspas
Top Magazin: Mit Blick auf 2025: Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Projekte oder Entscheidungen für Lennestadt? Worauf sind Sie besonders stolz?
Tobias Puspas: In 2025 haben wir mehrere Weichen für die Zukunft Lennestadts gestellt. Wegweisende Investitionen sind trotz steigender Kosten von zentraler Bedeutung. Hervorzuheben ist hierbei beispielsweise der Beginn des Neubaus eines zentralen Feuerwehrgerätehauses in Lennestadt-Meggen. Nach einer umfangreichen Sanierung der Grundschule Altenhundem konnten wir an der Grundschule Meggen ein Gebäude für die offene Ganztagtagsbetreuung sanieren. Aber es waren auch wieder die kleineren Baumaßnahmen, Instandhaltungen und Entwicklungen in den Dörfern mit großem ehrenamtlichen Engagement, die das Jahr prägen und Lennestadt zukunftssicher machen.
Top Magazin: Was waren die größten Herausforderungen im Stadthaushalt und bei der Finanzplanung?
Tobias Puspas: Die größten Herausforderungen bei der Finanzplanung bestehen ganz klar bei den kontinuierlich steigenden Kosten, sei es die Kreisumlage, Tarifsteigerungen oder im Sozial- oder Energiebereich. Die Entwicklung von Baukosten in den letzten Jahren ist für uns in jeder Hinsicht eine Herausforderung. Auch die Rahmenbedingungen von Bund und Land machen es uns als Kommune nicht immer leicht. Prioritätensetzung ist dann mehr denn je gefragt, um Projekte weiterzuverfolgen und auch freiwillige Leistungen, wie beispielsweise das Vereinsleben, abzusichern, ohne den Blick dafür zu verlieren, was finanziell und personell leistbar ist.
Top Magazin: Lennestadt ist ja Teil der REGIONALE 2025 Südwestfalen. Wie profitiert die Stadt konkret davon?
Tobias Puspas: Mit Projekten wie „L(i)ebenswert Lennestadt“, das als digitales Werkzeug Ortskerne und Leerstände attraktiver machen soll, schafft die Stadt neue Chancen für Gewerbe und Wohnen und erhöht damit konkret die Aufenthaltsqualität in den Dörfern. Insgesamt stärkt die REGIONALE unsere Position als moderner, lebenswerter Standort in Südwestfalen und erleichtert den Zugang zu Landes- und EU‑Mitteln. Innerhalb der REGIONALE haben wir einen guten Austausch und bekommen viele Anregungen aus anderen Kommunen, die uns helfen, richtige Entscheidungen zu treffen.
Top Magazin: Was macht Lennestadt als Standort für Unternehmer attraktiv?
Tobias Puspas: Lennestadt bietet Unternehmen gute wirtschaftliche Bedingungen – eine verlässliche Infrastruktur, stabile kommunalpolitische Bedingungen, ein starkes regionales Netzwerk und einen direkten Kontakt zur Verwaltungsspitze. Wirtschaftsförderung ist „Chefsache“. Zudem haben wir die LenneStart Wirtschaftsförderung etabliert, an die man sich als Unternehmen oder auch als Neugründer in allen wirtschaftlichen Angelegenheiten wenden kann. Sie fungiert als kommunale Anlaufstelle und soll passgenaue Unterstützung liefern. Ein wichtiger Bestandteil unserer aktiven Netzwerkarbeit.
Auch für den Kirchhundemer Bürgermeister Björn Jarosz ist es die zweite Amtszeit. Bei der Entwicklung seiner Gemeinde kann er auf engagierte Bürgerinnen und Bürger, sowie hiesige Investoren setzen.

Björn Jarosz
Top Magazin: Beim Wohnungsbau wie z.B. in Oberhundem, Welschen-Ennest und Werloh hat sich ja einiges getan. Wie wird es mit möglichen Neubauflächen 2026 weitergehen?
Björn Jarosz: Die Entwicklung von Wohnbauflächen, aber auch den Wohnungsbau selbst übernehmen in Kirchhundem zum Teil private Investoren, die aus der Gemeinde oder zumindest der Region stammen – alles „Menschen von hier“. Denen geht’s nicht nur um Rendite, sondern vor allem um die positive Weiterentwicklung der eigenen Heimat. Das unterstütze ich gerne, denn wer sich so engagiert teilt meine Überzeugung, dass Kirchhundem enorm viel Potential in den Bereichen Wirtschaft, Tourismus und Leben im Allgemeinen hat und sich daher stetig positiv weiterentwickeln wird. Neben den genannten Projekten möchte ich mich mit Rat und Verwaltung zudem verstärkt um die Nachnutzung bestehender Objekte kümmern.
Top Magazin: Sie befinden sich ja im Herzen des größten Naturparks Deutschlands. Welche Tourismusprojekte wurden 2025 angestoßen und wie wollen Sie die Potentiale 2026 nutzen?
Björn Jarosz: Mit der Einführung der kostenlosen ÖPNV-Nutzung im Bereich Kirchhundem, Lennestadt und Schmallenberg innerhalb der Gästekarte Lennestadt & Kirchhundem wurde 2025 ein wichtiger Impuls für die Weiterentwicklung des Tourismus gesetzt. Für 2026 plant die touristische Arbeitsgemeinschaft, das Leistungsspektrum der Gästekarte gezielt auszubauen und weitere Mehrwerte für Übernachtungsgäste zu integrieren. Langfristig verfolgen wir das Ziel einer digitalen Gästekarte um die Potenziale der Region noch besser erschließen und den Tourismus nachhaltig stärken zu können.
Top Magazin: Veranstaltungen wie der Heimatpreis 2025 stehen für Engagement. Wie wollen Sie Bürgerbeteiligung und Zusammenhalt weiter fördern?
Björn Jarosz: Vielfältig und mit hohem Engagement gestalten ehrenamtlich Aktive täglich ihre Heimat hier in der Gemeinde Kirchhundem und leisten damit einen wertvollen Beitrag zum Gemeinwohl. Auch in Zukunft wollen wir diesem Engagement Wertschätzung entgegenbringen, vor allem durch den jährlich stattfindenden Ehrenamtsempfang und die erneute Auslobung des Heimat-Preis - die steigende Anzahl sowohl an Teilnehmern als auch Bewerbungen bestätigen uns in unseren Bemühungen. Zudem beteiligt sich die Gemeinde aktuell als Teil der LEADER-Region SauerSiegerLand an einem europäischen Kooperationsprojekt, mit dem gemeinsam mit vielen Partnern aus Deutschland, Österreich, Finnland und Kroatien das Ehrenamt im ländlichen Raum durch internationalen Austausch gefördert und mit innovativen Ansätzen weiter entwickelt werden soll.
Top Magazin: Was macht Kirchhundem als Standort für Unternehmen attraktiv?
Björn Jarosz: Vor allem die Menschen, die hier leben und arbeiten. Als Teil Südwestfalens gehören wir zu einer der wirtschaftsstärksten Regionen des Landes – und wollen das auch bleiben. Unser Ort bietet Unternehmen ein Umfeld mit gut ausgebildeten Fachkräften, geprägt durch die Präsenz zahlreicher namhafter Firmen in der Region sowie einem starken Gemeinschaftssinn mit vielfältigem Vereinsleben und ausgeprägtem Ehrenamt. Trotz seiner Lage inmitten der Natur überzeugt die Gemeinde durch attraktive Lebensbedingungen mit vergleichsweise niedrigen Grundstücks- und Lebenshaltungskosten. Zudem sind die Preise für Gewerbeflächen noch moderat, was Investitionen besonders attraktiv macht.