TOP SAUERLAND: Herr Spinnrath, Sie haben Politik- und Geschichtswissenschaften in Bielefeld und Düsseldorf studiert, im Düsseldorfer Landtag und später in der Stadtverwaltung Rüthen gearbeitet. Was hat Sie dazu bewogen sich so jung, als Bürgermeisterkandidat zur Wahl zu stellen?
Maximilian Spinnrath: Ich habe mich schon früh gerne eingemischt – als Klassen-, Stufen- und Schülersprecher, später in Vereinen, bei lokalen Projekten und im Stadtrat. Nur daneben zu stehen und zu meckern, war mir immer zu einfach. Als mir die Kandidatur von Menschen angetragen wurde, deren Urteil ich sehr schätze, habe ich viele Gespräche geführt – vor allem mit meiner Frau, denn dieses Amt ist nur gemeinsam zu bewältigen. Entscheidend war der Gedanke: Wenn mir andere das zutrauen und ich dafür brenne, muss ich irgendwann ins kalte Wasser springen. Das Wahlergebnis war ein Vertrauensvorschuss, den ich mit Demut angenommen habe.
TOP SAUERLAND: Welche Herausforderungen sehen Sie – und wo möchten Sie Warsteins Zukunft gestalten?
Maximilian Spinnrath: Demografischer Wandel, Klimawandel, Fachkräftemangel, angespannte Kommunalfinanzen und ein großer Sanierungsstau treffen auch Warstein. Man kann darüber klagen – oder den vorhandenen Spielraum konsequent nutzen. Wichtig sind mir bedarfsgerechter Wohnraum, eine verlässliche Gesundheitsversorgung, gute Kitas und Schulen, attraktive Bedingungen für Unternehmen sowie die Stärkung von Ehrenamt und Vereinen. Gerade bei der hausärztlichen Versorgung dürfen wir nicht warten, bis andere handeln. Wir wollen junge Mediziner frühzeitig an Warstein binden, Netzwerke schaffen und die Lebensqualität der Stadt sichtbar machen. Die vermeintlich weichen Standortfaktoren sind heute oft die harten.
TOP SAUERLAND: Was kennzeichnet Ihren Führungsstil?
Maximilian Spinnrath: Ich führe teamorientiert, mit offener Kommunikation, Wertschätzung und klaren Erwartungen. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern ob man Menschen mitnimmt und unterschiedliche Perspektiven zusammenführt. Meine Generation bringt digitale Affinität und einen unmittelbaren Zugang zu jungen Menschen mit. Gleichzeitig profitiere ich täglich von der Erfahrung langjähriger Mitarbeitender. Der beste Weg ist für mich ein guter Generationenmix: frische Ideen auf der einen, fundiertes Wissen auf der anderen Seite. Führung bedeutet außerdem, selbst vorzuleben, was man von anderen erwartet, und Potenziale durch die richtige Ansprache zu wecken.
TOP SAUERLAND: Warum sind Sie ins Sauerland zurückgekehrt, und was hilft Ihnen aus Ihren bisherigen Stationen?
Maximilian Spinnrath: Für mich war immer klar, dass meine Zukunft in Warstein liegt. Bielefeld, Düsseldorf und Brüssel waren wertvolle Stationen, aber Heimat, Natur, Vereinsleben und die Menschen haben mich stets zurückgezogen. Die kommunale Ebene ist spannend, weil hier staatliche Entscheidungen unmittelbar auf den Alltag der Bürger treffen. Aus dem Landtag bringe ich ein breites Netzwerk und das Verständnis für politische Abläufe mit. In Rüthen habe ich das Verwaltungshandwerk gelernt und erfahren, wie wichtig pragmatisches Denken ist: nicht nur Zuständigkeiten prüfen, sondern fragen, welches Ziel erreicht werden soll.
TOP SAUERLAND: Welche drei Orte stehen für Sie persönlich für Heimat?
Maximilian Spinnrath: An erster Stelle steht die Alte Kirche auf dem Warsteiner Stadtberg. Ich bin in ihrem Schatten aufgewachsen und lebe heute wieder ganz in der Nähe. Wenn sie beim Heimkommen ins Blickfeld rückt, ist das für mich das Gefühl: Du bist zu Hause. Der zweite Ort ist das Bilsteintal – eine besondere Natur- und Erlebniswelt, die durch enormes ehrenamtliches Engagement getragen wird. Hinzu kommt der Skywalk im Möhnetal mit seinem Blick über den Arnsberger Wald, das Möhnetal und die Soester Börde. Diese Orte verbinden persönliche Erinnerungen, Natur und bürgerschaftlichen Einsatz.
TOP SAUERLAND: Welche Begegnung aus Ihrer Amtszeit ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Maximilian Spinnrath: Eine einzelne Begegnung herauszugreifen, würde den vielen anderen nicht gerecht. Es sind die Gespräche mit Kindern und Jugendlichen, die Begeisterung engagierter Ehrenamtlicher, die Lebenserfahrungen hochbetagter Bürger und der Einsatz der Mitarbeitenden im Rathaus. Man lernt bekannte Menschen neu kennen und begegnet ganz unterschiedlichen Geschichten und Perspektiven. Genau diese Vielfalt macht das Amt für mich so besonders.
TOP SAUERLAND: Seit Kurzem dürfen Sie Hochzeitspaare trauen. Wie wird das Angebot angenommen?
Maximilian Spinnrath: Die Nachfrage ist erfreulich hoch. Viele Paare kennen mich persönlich und wünschen sich eine Trauung durch den Bürgermeister, grundsätzlich steht das Angebot aber allen offen, soweit es mein Kalender zulässt. Mir ist wichtig, dass die Zeremonie persönlich, locker und mit einem Augenzwinkern gestaltet ist, zugleich aber die Würde dieses besonderen Moments bewahrt. Deshalb führe ich ausführliche Vorgespräche und schreibe jede Rede selbst. Paare an einem so emotionalen Tag begleiten zu dürfen, ist eine besondere Ehre – und eine Aufgabe, die ich sehr gerne übernehme.