vielSeitig: „Wort über Wort“ bis „Es war Mord!“
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vielSeitig: „Wort über Wort“ bis „Es war Mord!“

Literaturfestival zwischen Young Adult und True Crime in Siegen.

2026 21 Aufrufe Siegen-Wittgenstein
vielSeitig: „Wort über Wort“ bis „Es war Mord!“

Zwischen Smartphones, Streamingdiensten, Podcasts und sozialen Netzwerken scheint die Konkurrenz um unsere Aufmerksamkeit größer denn je. Geschichten sind jederzeit verfügbar, oft in Sekundenschnelle konsumiert und ebenso schnell vergessen. Und doch stemmt sich eines der ältesten Medien erfolgreich gegen diesen Trend: das Buch. „Bücher entschleunigen, eröffnen neue Perspektiven und bringen Menschen miteinander ins Gespräch“, so Andreas Müller, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein.

Diese Überzeugung steht seit mittlerweile 16 Jahren hinter vielSeitig. Europäisches Literaturfestival Siegen, das vom 5. bis 8. November 2026 das Kulturhaus Lÿz sowie zahlreiche Siegener Cafés und Kneipen erneut in Begegnungsbühnen für Literatur verwandelt. Das Festival verbindet prominente Stimmen mit Entdeckungen, klassische Lesungen mit außergewöhnlichen Inszenierungen und historische Themen mit Fragen der Gegenwart.

Bereits der Auftakt zeigt die Bandbreite: Morgens führt kirschkern Compes & Co (5.11.) mit der Gedichtrevue Ottos Mops junge Besucher spielerisch an die Sprachkunst Ernst Jandls und Christian Morgensterns heran. Abends beweist ein Podcast-Doppel, dass Literatur längst neue mediale Formen gefunden hat. Der studentische Live-Podcast Wort über Wort (5.11.) im im Apollo-Theater macht den Anfang, bevor Mona Ameziane und Christine Westermann (5.11.) mit Zwei Seiten im Kulturhaus Lÿz live über Bücher und die Fragen sprechen, die sich aus ihnen ergeben.

Ein besonderer Fokus liegt auf jungen Leserinnen und Lesern. Bestsellerautor und Guinessbuch-Rekordhalter Stefan Gemmel (6.11.) nimmt Schülerinnen und Schüler mit auf die Abenteuer eines Döner-Checkers. Tags darauf erlebt der kleine Falke Avril bei Thomas Forat (7.11.) sein drittes Abenteuer. Inka Lindberg trifft auf Christina Kaspar (7.11.). Lindbergs Ever since she kissed me erzählt von Lola, die sich um ihren dementen Vater kümmert, bis ihre beste Freundin nach sieben Jahren wieder auftaucht. In Kaspars Silver Grove. Break Me Twice sucht Hazel nach ihrer verschwundenen Schwester und braucht dafür einen falschen Verlobten. Die Autorinnen sprechen über BookTok, die Romance Bubble und ihre Figuren.

Literatur bedeutet aber immer auch gesellschaftliche Auseinandersetzung. In Leise-Laut-Verboten erinnern Florian Lukas und Annett Renneberg gemeinsam mit Günter „Baby“ Sommer (6.11.) an prominente DDR-Literaten, Unterdrückung und den politischen Mut der Bürgerinnen und Bürger 1989. Bianca Schaalburg (7.11.) spürt mit Emma und Amir – Im Schatten des Terrors den generationsübergreifenden Folgen nationalsozialistischer Verfolgung nach. Mit dem ehemaligen Bundesminister Dr. Volker Wissing (8.11.) schlägt das Festival in der Volksbank den Bogen zur aktuellen politischen Diskussion: In Verantwortung spricht er über demokratische Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Johann von Bülow und Walter Sittler (7.11.) begeben sich im Kulturhaus Lÿz mit Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort. Die Weltgeschichte der Lüge auf eine unterhaltsame Spurensuche durch Geschichte und Politik.

Auch Spannungsliebhaber kommen auf ihre Kosten. Bestsellerautorin Anne Holt (7.11.) lässt ihre Ermittlerin Hanne Wilhelmsen in Diamanten und Rost Zusammenhänge untersuchen und verbindet persönliche Schicksale mit gesellschaftlichen Fragen. Für junge und erwachsene Thrillerfans liest Ursula Poznanski (8.11.) aus Canvas, einem Roman zwischen technologischer Entwicklung, virtuellen Welten und menschlichen Abgründen. Das Theater ex libris (6./7.11.) entführt sein Publikum mit Der Leichenräuber – und andere unheimliche Kurzgeschichten sowie einem Live-Hörspiel nach Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde in die Welt Robert Louis Stevensons. Roman Knižka und das Bläserquintett OPUS 45 sorgen am 8.11. mit Es war Mord! für ein True-Crime-Finale. Vier reale Verbrechen des 20. Jahrhunderts werden mit Schauspiel, Musik und dokumentarischen Texten zu einem Live-Thriller verbunden.

János Jung (6.11.) lädt in der Schachtbar mit Eine kurze Geschichte der Trunkenheit von Mark Forsyth auf eine Reise durch die Kulturgeschichte des Alkohols. Simone Falk und Miriam Burdelski verbinden in KosmoPolinnen VI (8.11.) in der Kaffeerösterei Pagnia Literatur mit einer Reise durch Polen, moderiert von Dr. Natasza Stelmaszyk. Rike Scheffler (8.11.) eröffnet mit Echoes from the Future einen sinnlichen Zugang zur Literatur: Unterstützt von Miche Moreno verschmilzt Poesie, Musik und Performance zu einem immersiven Erlebnis; im Dunkelcafé wird das Hören zur körperlichen Erfahrung.

Mit 20 Veranstaltungen an neun Spielorten bleibt vielSeitig seinem Anspruch treu, Literatur aus Lesesaal und Sofaecke hinaus in die Stadt zu tragen. Ob Kulturhaus Lÿz, Café, Kneipe, Bibliothek oder außergewöhnlicher Veranstaltungsort – überall entstehen Begegnungen zwischen Kunst und Publikum. So zeigt die achte Ausgabe, dass gute Literatur nicht nur gelesen, sondern erlebt werden will.

vielSeitig. Europäisches Literaturfestival Siegen wird veranstaltet vom Kultur!Büro. des Kreises Siegen-Wittgenstein, mit Unterstützung der Universität Siegen und gefördert von der Volksbank in Südwestfalen eG, der Stadt Siegen und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Das vollständige Programm gibt es kostenfrei unter Tel. 0271/333-2448 oder auf www.vielseitig-festival.eu.

Bildergalerie

Roman Knižka & OPUS 45 „Es war Mord!“ – Wahre Verbrechen der Zeitgeschichte

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Foto: MC-Hure

Volker Wissing: „Verantwortung“

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Rike Scheffler: Echoes from the Future

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Foto: Gunnlöð-Jóna

Mona Ameziane & Christine Westermann: Zwei Seiten – der Podcast über Bücher

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Love ‘n‘ Story Eine Lesung mit Christina Kaspar und Inka Lindberg

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Foto: © Privat Inka-Lindberg | © Nina-Jasmin-Schmiedel

Florian Lukas, Annett Renneberg und Günter Baby Sommer  „Leise – Laut – Verboten“ - Unvergessene Texte von Autoren aus der DDR mit Jazz-Percussion

Florian Lukas, Annett Renneberg und Günter Baby Sommer „Leise – Laut – Verboten“ - Unvergessene Texte von Autoren aus der DDR mit Jazz-Percussion

Foto: © Lucas-Lentes | Alexander-Stingl | Alexander-Keiner

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