Vorbild in der  Stadtentwicklung

Vorbild in der Stadtentwicklung

Die Oberstadt ist historisch, lebendig und vielfältig!

2026 7 Aufrufe Siegen-Wittgenstein
Vorbild in der  Stadtentwicklung

Wer jetzt im tristen Januar durch die Oberstadt läuft, den erfasst mit Blick auf die Alfred-Fissmer-Anlage echte Vorfreude auf den Frühling. Denn dann, wenn die Temperaturen es zulassen, werden die Stufen unterm Krönchen abends wieder zu einem Ort der Begegnung. Besonders junge Menschen treffen sich hier und genießen die Atmosphäre auf den Bänken und Stufen rund um den Brunnen. Darunter ist auch der neue Bürgermeister der Stadt, Tristan Vitt. Von den Stufen zog er direkt ins Rathaus, wo er künftig auch die weitere Stadtentwicklung mitgestalten kann. Hier hat Siegen schon in der Vergangenheit ganz viel richtig gemacht. Während andernorts über verödete und dreckige Innenstädte geklagt wird, ist die Oberstadt belebt wie eh und je. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier nach historischem Vorbild wieder aufgebaut. Statt bevorzugt große, moderne Kaufhäuser zu bauen, setzte man auf kleinteilige Strukturen und förderte damit Nutzungsvielfalt. Einzig das 2023 geschlossene Karstadt-Gebäude wartet derzeit noch auf eine neue Nutzung. In der Oberstadt wird gewohnt, eingekauft und studiert. Durch den Erhalt von Fachwerkbebauung und Fixpunkten wie Markt, Rathaus und Nikolaikirche ist etwas Identitätsstiftendes entstanden. Die Oberstadt ist ein positives Beispiel für sensible Sanierung. Nachhaltig und zukunftsgewandt wurde hier agiert. Fragt man fachkundige Stadtplaner heute danach, was sie den Verantwortlichen von Innenstädten raten, deren Fußgängerzonen veröden beschreiben alle eine Infrastruktur wie die der Siegener Oberstadt. Und auch vom Projekt „Siegen zu neuen Ufern“ hat der Stadtteil profitiert. 

 

Von „autogerecht“ zu menschenfreundlich

Als im Jahr 2012 die Siegplatte beseitigt und damit der Fluss wieder zum sichtbaren Bestandteil der Innenstadt wurde, begannen die Projektentwickler damit, die einstmals autogerechte City in einen Ort zu verwandeln, in dem sich vor allem Fußgänger gerne aufhalten. Der Uferbereich wurde umgestaltet, mit einer neuen Stufenanlage und einer Promenade wurde die Verbindung zwischen Ober- und Unterstadt verbessert. Von zwei offenen Balkonen über der Sieg kann man heute auf den renaturierten Flussabschnitt blicken. Auch der Umzug der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in den neuen Campus Unteres Schloss tat der Oberstadt gut. Siegen konnte 2024 den 800. Geburtstag feiern. Die Stadt wurde auf sieben Hügeln erbaut, genauso wie Rom. Die Oberstadt liegt auf dem Siegberg, einem langgestreckten Sporn zwischen Siegtal und Weißtal, auf dem die Altstadt entstanden ist. Er ist 302 Meter hoch und bildet den Kern des historischen Stadtteils mit dem Schloss und der Nikolaikirche. Sie beherbergt auch das Wahrzeichen der Stadt. Seit 1658 prangt es oben auf dem Kirchturm, nachdem Johann Moritz von Nassau-Siegen es der Stadt aus Freude über seine Ernennung zum Fürsten 1652 geschenkt hatte. Der Windpfeil des Krönchens dreht sich auf 19 Achatkugeln in einem Kugellager, das bei Restaurierungen wie 1756 oder 1889 mit Zeitkapseln versehen wurde, die Inschriften wie „Renovatum et inauratum 1756“ tragen. 1993 wurde das mehrere Tonnen schwere Original dann ins Kircheninnere gebracht und auf dem Turm durch ein Edelstahl-Replikat ersetzt.

 

Barockmaler prägt das kulturelle Leben der Stadt bis heute

…obwohl er hier nie gemalt hat. Nachdem es unter weniger schönen Umständen dazu gekommen war, dass Peter Paul Rubens im Brambachschen Haus am Oberen Schloss geboren wurde, zog er bereits mit einem Jahr – einem Alter, in dem die wenigsten Kinder sicher einen Stift halten können – Richtung Köln und später Antwerpen. Sein Vater war damals wegen einer Affäre mit der Ehefrau Wilhelms I. von Oranien unter Hausarrest gestellt worden. Peter Paul Rubens begann seine künstlerische Ausbildung in Antwerpen, ging für mehrere Jahre nach Italien und wurde schließlich Hofmaler der Statthalter der spanischen Niederlande. Seine Werkstatt stieg schnell zu einer der bedeutendsten Europas auf, seine Werke und die seiner Schüler entstanden hier. Im Rubenssaal des Siegerlandmuseums oben im Schloss gibt es eine Dauerausstellung mit Frühwerken und thematischen Exponaten, im Schlosspark steht der Rubensbrunnen. Der Rubens-Preis und die Peter-Paul-Rubens-Stiftung unterstützen Künstler der Gegenwart und schaffen so eine Brücke zum Barock. 

 

Von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Wissensstadt

In und um Siegen finden sich viele Beispiele für geglückten Strukturwandel. Davon profitiert natürlich auch die Oberstadt. Das Siegerlandmuseum präsentiert Exponate, die von der Montan- und Industriegeschichte Siegens zeugen. Die Hüttemann-Statue auf der Oberstadtbrücke ist Teil des berühmten Skulpturen-Paares „Henner und Frieder“, die einen Bergmann und einen Hüttenmann darstellen. Damit schuf der Siegener Bildhauer Friedrich Reusch um 1902 ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Wer sich nun selbst vom Charme der Oberstadt überzeugen möchte, dem empfehlen wir eine Fahrt mit dem „Hübbelbummler“. Dieser gelb-rote Doppeldeckerbus verbindet die Innenstadt mit der Oberstadt, so dass niemand Deutschlands steilste Fußgängerzone hinaufsteigen muss. Wenn Sie im Frühling vorbeischauen, setzen Sie sich doch auf die Stufen unterm Krönchen und lernen die Siegener persönlich kennen.

 

Oberes Schloss mit Siegerlandmuseum 

Beliebtes Ausflugsziel auf dem 307 Meter hohen Siegberg ist das Obere Schloss. Einst eine mittelalterliche Höhenburg, später Residenz von Adeligen, verdankt es heute seine Anziehungskraft auch dem dort untergebrachten Siegerlandmuseum. Die Geschichte des Siegerlandes wird hier gezeigt, außerdem Kunst – unter anderem eine Dauerausstellung des gebürtigen Siegeners Peter Paul Rubens – sowie die Geschichte der Nassau-Dynastie und regionale Wirtschaftsgeschichte. Besonders spannend ist ein Abstieg in den historischen Bergewerkstollen unter dem Schloss. Über die Webseite des Siegerlandmuseums kann man sich öffentlichen Führungen anschließen oder eigene Gruppenführungen buchen. Direkt am Schloss gibt es Parkmöglichkeiten und auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist gut. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

 

Schlosspark am Oberen Schloss 

Insbesondere der Abenteuerspielplatz hier wird gerne von Familien besucht, die zuvor im Siegerlandmuseum waren. Im Rahmen des Städtebauförderprojekts „Rund um den Siegberg“ wurde der Schlosspark rundherum verschönert, die Wege erweitert und sämtliche Anlagen saniert. Über den Jahresverlauf wird die gesamte Bepflanzung der Anlagen dreimal gewechselt. Die Pflanzen stammen aus der stadteigenen Gärtnerei. Besonders schön ist der Park im Frühling, wenn hier rund 60.000 Tulpen blühen und man den Blick auf die grüne Universitätsstadt von oben genießen kann.

 

Nikolaikirche mit dem vergoldeten „Krönchen“ auf dem Turm 

Die Nikolaikirche ist architektonisch einzigartig, weil im gesamten Raum nördlich der Alpen kein weiteres romanisches Hallenhexagon existiert, das von sechs massiven Pfeilern gestützt wird. Das goldene Krönchen auf der Turmspitze hat sich zum Wahrzeichen der Stadt entwickelt. Die Kirche prägt die Silhouette der Oberstadt und dient mit der Kantorei Siegen als Ort der Kirchenmusik und der Besinnung. Sie liegt zentral zwischen Markt, Rathaus und dem Oberen Schloss.

 

Wiederkehrende Veranstaltungen locken in die Oberstadt   

Das Stadtmarketing Siegen organisiert diverse Events, von saisonalen Highlights wie dem Weihnachtsmarkt und dem Spiegelzelt im Herbst, über das Altstadtfest, bis hin zu kulturellen Aktionen wie dem Kunstweg in der Sandstraße und spielerischen Entdeckungen bei den Industriekultur-Rallyes durch die Stadt. Schon zum zweiten Mal begeisterte das Stadtmarketing 2025 mit seinem Lebendigen Adventskalender. Jeden Tag gab es vorweihnachtliche Aktionen in der City, außerdem wurden tolle Preise verlost. Jetzt, im Januar beginnt eigentlich schon die Vorfreude auf Open-Air-Konzerte, Musikfest und das beliebte Altstadtfest mit Bühnen, kulinarischen Ständen und einer Kinderdisco. Gebündelt werden die Informationen über Plattformen wie visitsiegen.de, die offizielle Webseite Siegens und diverse Social Media Kanäle. 

 

Der Hübbelbummler 

Dieses ikonische Verkehrstmittel verbindet die Unterstadt mit der malerischen Oberstadt. Der Hübbelbummler wurde im Oktober 2006 von den örtlichen Verkehrsbetrieben als nostalgischer Doppeldeckerbus in Betrieb genommen und von lokalen Sponsoren finanziert. Wie sein Name schon sagt, kann man die hügelige, „hübbelige“ Topografie Siegens so gemächlich bummelnd bezwingen. Passend zum Retro-Designs des Busses tragen die Fahrer historische Uniformen und die Schaffner entwerten die Fahrkarten genau wie früher mit der Lochzange. Zweifellos ein besonderes Vergnügen für den absolut moderaten Preis von 1,50 Euro (Kinder 1 Euro), jeweils am Mittwoch und Samstag. Den genauen Fahrplan findet man auf der Webseite der Verkehrsbetriebe Westfalen Süd.

Foto: Wladislaw Scheinmeier 

 

Sport und Shopping sind kein Widerspruch!
Die steilste Fußgängerzone Deutschlands 

Die Kölner Straße in Siegen hat eine beeindruckende Neigung von zehn Prozent. Sie verbindet die lebendige Unterstadt am Bahnhof mit der charmanten Oberstadt und entstand als Teil der ersten Siegener Fußgängerzone, die am 25. November 1972 eröffnet wurde – zunächst nur ein 140 Meter langes Teilstück. Seit den 1970er Jahren hat sich die Innenstadt mit ihrer Fußgängerzone als vitaler Standort etabliert, wobei die Kölner Straße trotz des Strukturwandels im Einzelhandel ihre Anziehungskraft bewahrt. Entlang der Zone reihen sich Fachgeschäfte, Cafés und Boutiquen aneinander – genaue Zahlen variieren, doch Events wie „Der Berg ruft!“ mobilisieren rund 15 bis 20 lokale Händler an Stationen von Café Extrablatt bis Café Flocke. Kreativ wird die Steigung mit jährlichen Festen gemeistert: Besucher sammeln Stempel auf einem Wanderpass über fünf Bergstationen, genießen Live-Musik, Snacks und Glücksspiele, die den Aufstieg zur „Genuss-Route“ machen. So wird die Herausforderung zum Highlight, das Tausende „Bergfans“ anzieht.

Foto: Wladislaw Scheinmeier 

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