Handwerk verbindet
Es gibt Berufe, denen man heute nur noch selten begegnet. Goldschmied gehört dazu. Ein Handwerk, in dem vieles noch immer mit den eigenen Händen entsteht: sägen, feilen, löten, fassen, formen und immer wieder prüfen, bis aus einem Entwurf ein Schmuckstück geworden ist. Es braucht Geduld, Präzision und ein Gespür für Materialien.
Marco Adam und Sung-Kyung „Kane“ Park haben sich genau dafür entschieden. Kennengelernt haben sich die beiden während ihrer Ausbildung zum Goldschmied in Düsseldorf. Aus Ausbildungskollegen wurden Freunde, anschließend führten ihre beruflichen Wege zunächst in unterschiedliche Richtungen. Heute, Jahre später, stehen sie wieder gemeinsam an der Werkbank.
Seit August gehört Kane zum Team der Goldschmiede Adam. Er bringt zusätzliche handwerkliche Fähigkeiten, neue Ideen und einen eigenen Blick auf Gestaltung und Technik mit. Nach seiner Ausbildung bildete er sich zum Goldschmiedemeister und Edelsteinfasser weiter, arbeitete zehn Jahre als Dozent und war für verschiedene Unternehmen tätig.
Dass aus der langjährigen Freundschaft nun auch eine berufliche Zusammenarbeit wird, passt zu einer Zeit, in der sich bei Adam vieles weiterentwickelt.
Eine Familiengeschichte seit 1959
Die Geschichte der Goldschmiede Adam beginnt 1959 mit Oskar Adam. In der nächsten Generation übernahmen Burkhard und Ingo Adam und führten den Familienbetrieb weiter. Über die Jahrzehnte ist dabei weit mehr entstanden als ein klassisches Schmuckgeschäft. Beratung, eigener Entwurf und handwerkliche Fertigung gehören ebenso dazu wie die Arbeit mit Edelsteinen, die Umarbeitung vorhandener Schmuckstücke und der An- und Verkauf von Edelmetallen.
Beständigkeit und Veränderung liegen dabei nah beieinander. Gold kann Generationen überdauern und trotzdem eine neue Gestalt annehmen. Aus einem alten Ring kann ein neues Schmuckstück entstehen, vorhandene Edelsteine können neu gefasst und Erinnerungsstücke weiterentwickelt werden. Der materielle Wert bleibt – die Geschichte dahinter wird weitergeschrieben.
Auch im Unternehmen selbst beginnt ein neues Kapitel. Mit Marco und Felix Adam übernimmt die nächste Generation zunehmend Verantwortung.
Marco führt als Goldschmiedemeister die handwerkliche Tradition der Familie weiter. Felix hat eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann für Schmuck und Uhren absolviert und setzt seinen Schwerpunkt im kaufmännischen Bereich.
Eine starre Aufgabenteilung gibt es bei Adam allerdings nicht – und eigentlich gab es sie auch in den Generationen zuvor nie.
Jeder hat sein Steckenpferd – alle packen an
Dass jeder seinen Schwerpunkt hat und trotzdem über den eigenen Bereich hinaus mitarbeitet, gehört zum Selbstverständnis des Familienunternehmens. Felix kümmert sich beispielsweise um Buchhaltung sowie Material- und Zinnankauf, übernimmt aber ebenso Diamantgravuren oder das Ausfassen von Schmuckstücken und ist damit regelmäßig in der Werkstatt aktiv.
Umgekehrt endet für die Goldschmiede die Arbeit nicht an der Werkbank. Beratung, Kundenkontakt und Organisation gehören genauso zum täglichen Geschäft.
Schon Burkhard und Ingo Adam haben den Betrieb auf diese Weise geführt: Jeder bringt seine besonderen Fähigkeiten ein, aber wenn etwas zu tun ist, wird gemeinsam angepackt. Es gibt persönliche Steckenpferde, aber keine starren Grenzen.
Dieses Zusammenspiel prägt auch die nächste Generation – ergänzt um Kane, der mit seinen Erfahrungen und Fähigkeiten neue Möglichkeiten in die Werkstatt bringt.
Tradition braucht neue Ideen
Weiterentwicklung bedeutet bei Adam nicht, Bewährtes hinter sich zu lassen. Es geht darum, das weiterzuführen, was funktioniert, und gleichzeitig Raum für Neues zu schaffen.
Marco und Kane teilen die Begeisterung für das klassische Goldschmiedehandwerk, aber ebenso die Lust auf zeitgemäße Gestaltung. Traditionelle Techniken treffen auf moderne Verfahren wie Lasertechnik und auf Kundenwünsche, die heute vielfältiger und manchmal ungewöhnlicher sind als früher.
So entstehen individuelle Schmuckstücke und Entwürfe für unterschiedliche Generationen. Bei Gravuren reicht das Spektrum beispielsweise vom klassischen Familienwappen bis zum Pokémon-Motiv.
Gerade darin zeigt sich, warum ein traditionsreiches Handwerk nicht altmodisch sein muss. Der Anspruch an Qualität bleibt – was daraus entsteht, verändert sich mit den Menschen, die das Handwerk ausüben, und mit denen, für die sie arbeiten.
Kanes Einstieg erweitert zugleich die Möglichkeiten des Familienbetriebs. Seine Arbeit in der Werkstatt schafft zusätzliche Kapazitäten und Freiräume für weitere Aufgaben – vom Gold- und Edelsteinhandel bis zu Organisation und Marketing.
Gemeinsam weiterdenken
So verändert sich bei Adam einiges, ohne dass sich das Grundverständnis des Familienunternehmens ändern muss. Wissen und Erfahrung werden weitergegeben, neue Fähigkeiten kommen hinzu und Aufgaben verteilen sich neu.
Marco und Felix bringen ihre unterschiedlichen Schwerpunkte ein, Kane ergänzt das Team als Goldschmiedemeister und Edelsteinfasser. Entscheidend ist, dass das Handwerk lebendig bleibt und sich mit den Menschen weiterentwickeln darf, die es ausüben.
Vielleicht ist genau das die schönste Form von Tradition: nicht einfach fortzuführen, was immer schon da war, sondern es sich zu eigen zu machen und daraus etwas Neues entstehen zu lassen.