TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Anette, für alle, die dich noch nicht kennen: Wie würdest du dich selbst beschreiben – und wie hat dein Weg zum Schreiben begonnen?
Anette Schäfer: Ich bin ein sehr dankbarer und glücklicher Mensch. Ich habe mir damals den besten Ehemann geangelt, bin Mutter von vier erwachsenen Kindern, Schwiegermutter und bald fünffache Oma. Ich liebe es zu organisieren, Veranstaltungen zu planen und Menschen mit einem Lächeln oder einer Gänsehaut nach Hause zu schicken. Vielleicht hat genau das auch mit dem Schreiben zu tun – ich erzähle einfach gerne Geschichten. Warum meine Fantasie ausgerechnet in die Welt der Krimis abgetaucht ist, weiß ich selbst nicht so genau. Eigentlich bin ich ja eine Nette – das sagt schon mein Name. (lacht)
TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Was zeichnet deine Romane und deinen Schreibstil aus – und was dürfen Leserinnen und Leser erwarten?
Anette Schäfer: Meine Bücher leben vom regionalen Bezug. Ob Siegen, Wittgenstein oder inzwischen auch Borkum – echte Orte spielen eine große Rolle. Die Wälder, Kirchen, Straßen, Restaurants oder auch Krankenhäuser werden zu stillen Hauptdarstellern. Gleichzeitig erzähle ich meine Geschichten aus unterschiedlichen Perspektiven: mal aus Sicht des Täters, mal aus der des Ermittlerduos, manchmal sogar auf zwei Zeitebenen. So erfahren die Leser im „Heute“, was früher geschehen ist – und fiebern mit, wie sich alles zusammenfügt. Mir ist wichtig, dass Spannung entsteht, aber auch Nähe zu den Figuren.
TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Das Siegerland ist in deinen Büchern allgegenwärtig. Was macht Siegen und die Region für dich so erzählenswert?
Anette Schäfer: Das Siegerland und auch Wittgenstein sind für mich echte Hauptdarsteller. Die Siegener Stadtbank gegenüber dem Apollo-Theater, die Obernautalsperre, an der Johanna Daub joggen geht, die dunklen Wälder, in denen sich Täter verstecken – all das liefert Atmosphäre. Unsere Region hat Kontraste: Weite Landschaften, kleine Ortschaften, viel Geschichte und gleichzeitig modernes Leben. Genau diese Mischung macht sie zur perfekten Kulisse für einen Krimi – oder auch für einen Liebesroman.
TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Mit Johanna Daub hast du eine Ermittlerin geschaffen, die viele Leser begleiten. Wie viel von dir steckt in ihr?
Anette Schäfer: Johanna hat rote Locken, ich bin blond – rein äußerlich also schon mal nicht viel Gemeinsamkeit. Aber natürlich fließen eigene Erlebnisse ein. Dinge, die ich erlebt habe, wie ein Banküberfall, tauchen in veränderter Form in meinen Büchern auf. Charakterzüge verteile ich auf verschiedene Figuren. Johanna ist taff, durchsetzungsstark und joggt gerne – das verbindet uns tatsächlich. Und sie ist in Daniel Treude verliebt – den Leiter der Kreditabteilung. Das wiederum unterscheidet uns deutlich. (lacht)
TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Deine Lesungen sind mehr als klassische Buchvorstellungen. Was bedeutet dir der direkte Kontakt mit dem Publikum?
Anette Schäfer: Die Lesungen sind meine Belohnung fürs Schreiben. Ich liebe es, wenn die Entstehung eines Buches lebendig wird – wenn ich von Recherchereisen erzähle oder persönliche Anekdoten einfließen lasse. Manchmal singe ich sogar ein passendes Lied dazu. Das aktuelle Buchcover steht bei mir als Bühnendeko auf der Bühne – ein Sommerkleid mit roten Sneakern. Wenn das Publikum an der richtigen Stelle erschrickt oder laut lacht, weiß ich: Genau dafür mache ich das. Und in der Fragerunde am Ende wird es oft richtig persönlich – das mag ich besonders.
TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Mit deinem aktuellen Krimi hast du den Schauplatz nach Borkum verlegt. War das ein Wagnis?
Anette Schäfer: Absolut. Borkum ist seit über 30 Jahren unser Urlaubsort, fast ein zweites Zuhause. Trotzdem wusste ich nicht, ob meine Siegerländer Leser mir dorthin folgen würden – und ob man mich auf der Insel überhaupt kennt. Heute weiß ich: Die Sorge war unbegründet. Das Buch wird wunderbar angenommen, ich habe viele Lesungen dort und freue mich, dass beide Regionen meinen Weg mitgehen.
TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Woran arbeitest du gerade – und dürfen sich deine Leserinnen und Leser bald wieder auf einen neuen Krimi aus dem Siegerland freuen?
Anette Schäfer: Aktuell entwickle ich ein Konzept namens „Krimi to go“ auf Borkum – eine Art literarische Stadtführung, bei der wir gemeinsam auf Tätersuche gehen und ausgewählte Textpassagen an Originalschauplätzen lesen. Und mein nächster Krimi wird wieder in meiner Heimat spielen. In meinem Kopf ist er schon fertig – jetzt muss er nur noch aufs Papier.