TOP SAUERLAND: Frau Ishag, Sie sind im Sauerland geboren und aufgewachsen. Welche Erinnerungen aus Ihrer Kindheit in Marsberg prägen Sie bis heute am meisten?
Lissy Ishag: Schlittenfahren mit meiner Mama zum Beispiel. Wir haben ganz oben auf dem Berg gewohnt – im Winter war das perfekt. Der Nachteil war nur: Wenn man mit dem Fahrrad von der Schule nach Hause musste, war dieser Berg plötzlich ziemlich anstrengend. Rund um Weihnachten fand ich es dort immer besonders gemütlich. Ich habe ja im Januar Geburtstag und erinnere mich noch gut an meine Führerscheinprüfung – die Vorbereitung darauf bei Schnee und Eis war ziemlich hart.
TOP SAUERLAND: Welche Rolle spielt das Sauerland heute noch in Ihrem Leben?
Lissy Ishag: Mein Papa lebt leider nicht mehr, deshalb fahre ich nicht mehr so oft nach Marsberg wie früher. Wenn ich dort bin, besuche ich meistens sein Grab und treffe alte Freunde von damals. Aber natürlich zieht es mich immer wieder in die Region. Erst kürzlich waren wir mit den Kindern zum Beispiel in Willingen zum Schlittenfahren. Wenn ich durch die Heimat fahre, freue ich mich jedes Mal.
TOP SAUERLAND: Gab es in Ihrer Jugend schon Momente, in denen Sie gemerkt haben, dass Sie einmal in die Medien möchten?
Lissy Ishag: Ich habe in Schülerbands gesungen, war irgendwann sogar Schülersprecherin und habe bei der Schülerzeitung mitgemacht. Ich hatte also schon immer einen Hang dazu, Dinge zu präsentieren oder auf der Bühne zu stehen. Aber dass ich damals schon gesagt hätte: „Ich werde einmal Moderatorin“, das war nicht so.
TOP SAUERLAND: Wie hat sich dieser Weg dann entwickelt?
Lissy Ishag: Eigentlich ganz organisch. Während meines Studiums in Paderborn – Medienwissenschaften war mein Nebenfach – habe ich als freie Mitarbeiterin bei Radio Hochstift angefangen. Dort habe ich erste Erfahrungen gesammelt, und von da aus ging es Schritt für Schritt weiter.
TOP SAUERLAND: Wie wichtig war diese Zeit für Ihre Karriere?
Lissy Ishag: Ehrlich gesagt: Das Studium selbst war für meinen späteren Weg gar nicht so entscheidend. Viel wichtiger waren Praktika und praktische Erfahrungen. Ich habe überall versucht reinzuschauen – bei Radio NRW, bei Produktionsfirmen oder als Sprecherin. Dadurch bin ich erst richtig ins praktische Arbeiten gekommen.
TOP SAUERLAND: Seit 2013 moderieren Sie das ZDF-Magazin „hallo deutschland“. Wie sind Sie damals zu der Sendung gekommen?
Lissy Ishag: Nach meiner Zeit bei Radio NRW wollte ich wieder näher Richtung Heimat und bin zum WDR-Studio in Bielefeld gewechselt. Dort habe ich zunächst als Reporterin gearbeitet und später auch die „Lokalzeit OWL“ moderiert. Bei einem Casting für die Moderation wurde ich entdeckt – und irgendwann kam die Einladung zum Casting beim ZDF. Drei Jahre nachdem ich im Fernsehen angefangen hatte zu moderieren, bin ich schließlich zu „hallo deutschland“ gekommen.
TOP SAUERLAND: Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Sendung?
Lissy Ishag: Natürlich. Ich war sehr aufgeregt. Vom Fernsehen kannte ich das Moderieren zwar schon, aber beim ZDF war plötzlich alles eine Nummer größer – und ich war weiter weg von zu Hause. Nach den ersten Sendungen hat sich das aber schnell eingespielt.
TOP SAUERLAND: Was macht „hallo deutschland“ für Sie persönlich aus?
Lissy Ishag: Für mich ist es dieser Mix aus Information und Emotion. Wir zeigen Geschichten aus dem echten Leben, und ich habe das Gefühl, dass ich mich mit vielen Themen wirklich identifizieren kann. Genau diese Mischung macht die Sendung aus.
TOP SAUERLAND: Gibt es eine Geschichte aus der Sendung, die Sie besonders berührt hat?
Lissy Ishag: Ja, mehrere. Gerade bei True-Crime-Fällen oder Gerichtsurteilen bekommt man im Hintergrund oft noch viel mehr Details mit. Wenn es dann um Themen wie Kindesmissbrauch geht, kann einen das sehr mitnehmen. Es gab schon Sendungen, in denen ich wirklich mit den Tränen kämpfen musste.
TOP SAUERLAND: Sie leben weiterhin in Paderborn, arbeiten aber in Mainz. Wie organisieren Sie Ihren Alltag zwischen Beruf und Familie?
Lissy Ishag: Das funktioniert eigentlich ganz gut, weil ich nur etwa fünf Tage im Monat im Studio bin. In dieser Woche arbeite ich dann intensiv, danach bin ich wieder zu Hause. So bin ich gar nicht so viel weg, wie man vielleicht denkt.
TOP SAUERLAND: Sie arbeiten seit vielen Jahren im Journalismus. Wie hat sich die Medienwelt in dieser Zeit verändert – gerade durch Social Media?
Lissy Ishag: Nicht unbedingt zum Positiven. Natürlich gibt es heute viel mehr Informationen, aber sie sind oft ungefiltert. Gerade für Kinder oder Menschen, die neu in der Medienwelt sind, ist es schwer zu unterscheiden, was verlässlich ist und was nicht. Selbst für mich ist das manchmal eine Herausforderung – besonders jetzt mit KI, wo man bei Bildern oder Videos oft gar nicht mehr sicher sein kann, ob sie echt sind.
Das ist Lissy Ishag
Lissy Ishag wurde 1979 in Marsberg im Sauerland geboren. Nach ihrem Studium der Anglistik, Amerikanistik und Medienwissenschaften in Paderborn begann sie ihre Karriere beim Radio, unter anderem bei radio NRW, dem Mantelprogramm der NRW-Lokalradios. Später wechselte sie zum WDR nach Bielefeld, wo sie als Reporterin und Moderatorin der „Lokalzeit OWL“ vor der Kamera stand. Seit 2013 moderiert sie das ZDF-Magazin „hallo deutschland“, das sie zum 30. Juni 2026 verlassen wird. Zudem ist sie als Radiomoderatorin bei RADIO MIXTAPE zu hören. Ishag lebt mit ihrer Familie in Paderborn und pendelt regelmäßig zum ZDF nach Mainz.
Instagram: lissy_ishag
www.lissy-ishag.de