Ein Sauerländer, der Geschichten hörbar macht

Ein Sauerländer, der Geschichten hörbar macht

Vom Sauerland zu 1LIVE und weiter in die Trauerbegleitung: Benni Bauerdick, bekannt als Radio-Moderator, TV-Reporter und Podcaster, blickt auf seine Wurzeln in Lennestadt zurück und erklärt, warum ihn seine Arbeit heute näher zu den Menschen führt denn je.

2026 106 Aufrufe Sauerland
Ein Sauerländer, der Geschichten hörbar macht

TOP MAGAZIN: Benni, du bist im Sauerland groß geworden. Wie hat dich diese Zeit geprägt?

Benni Bauerdick: Das Sauerland ist meine Heimat – und das wird es immer bleiben. Als Teenager wollte ich unbedingt raus, in die Großstadt, ins laute Leben. Heute schätze ich die Ruhe dort sehr. Ich habe noch Familie im Sauerland und bin etwa zehnmal im Jahr da. Für mich ist es der perfekte Ausgleich: In Köln genieße ich das bunte, verrückte Großstadtleben – und wenn mir das zu viel wird, fahre ich nach Hause und komme zur Ruhe. Ich habe beides: die Welt da draußen und mein Sauerland, in dem alles etwas entschleunigter ist.

TOP MAGAZIN: Wie ist der Wunsch entstanden, Radio-Moderator und Fernsehreporter zu werden?

Benni Bauerdick: Eigentlich wollte ich früher Schauspieler oder Lehrer werden – das stand sogar in meinem alten Freundebuch. Heute sage ich: Mein Job ist eine Mischung aus beidem. Wir haben beim WDR einen Bildungsauftrag und vermitteln Wissen, gleichzeitig stehen wir vor Kameras oder auf Bühnen. Nach dem Abitur habe ich meinen Zivildienst im Kinder- und Jugendhospiz in Olpe gemacht und dachte damals sogar, dass ich vielleicht im sozialen Bereich lande. Am Ende standen zwei Wege vor mir – Soziales oder Medien – und ich habe mich für die Medien entschieden, ohne dass das vorher ein klarer Plan war.

TOP MAGAZIN: Du bist für dein Studium nach Siegen gegangen. Warum ausgerechnet dorthin?

Benni Bauerdick: Das war ein Zufall. Ich war in der Berufsberatung und dort wurde mir der Studiengang Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Medienwissenschaften empfohlen – die perfekte Mischung aus beiden Welten, zwischen denen ich schwankte. Das Semester hatte bereits begonnen, aber ich konnte sofort einsteigen und erst einmal von zuhause pendeln. So kam eins zum anderen.

TOP MAGAZIN: 2015 bist du zu „1LIVE“ gewechselt. Bis Ende 2023 hast du sogar die „Morningshow“ moderiert. Warum hast du sie verlassen?

Benni Bauerdick: Das frühe Aufstehen war natürlich hart – der Wecker klingelte um drei Uhr. Aber das war nicht der Hauptgrund. Parallel zur Morningshow habe ich meine Ausbildung zum Trauerbegleiter gemacht, mehr Fernsehen gedreht, Podcasts produziert. Ich habe gemerkt: Wenn ich mich weiterentwickeln will, muss ich Platz schaffen für neue Dinge. Heute genieße ich es, abends länger wach bleiben zu können und meinen Tag selbstbestimmter zu gestalten.

TOP MAGAZIN: Du bist Moderator, Reporter, Podcaster und Trauerbegleiter. Was verbindet all diese Rollen?

Benni Bauerdick: Das Leben – und unsere Gefühle. In jedem Bereich geht es darum, hinzuhören, neugierig zu bleiben, Geschichten zu erzählen und Menschen zu begegnen. In meinen Podcasts spreche ich viel über mentale Gesundheit, Tod, Trauer oder Liebeskummer. In der Trauerbegleitung geht es darum, Menschen durch schwere Zeiten zu führen. Und im Radio und Fernsehen erzähle ich Geschichten, die die Menschen berühren. Unter dem Strich geht es immer darum, wer wir sind und wer wir einmal gewesen sein wollen.

TOP MAGAZIN: Du gehst sehr offen mit deiner eigenen Geschichte um: Mobbing, schwierige Erfahrungen, dein Outing. Wie hast du gelernt, daraus Stärke zu ziehen?

Benni Bauerdick: Das war ein langer Prozess. Ich habe viele Jahre Therapie gemacht und viel über Selbstliebe und Selbstakzeptanz gelernt. Ich musste erst verstehen – und fühlen –, dass ich gut bin, so wie ich bin. Heute habe ich ein anderes Selbstbewusstsein. Natürlich verletzen mich Hasskommentare oder Anfeindungen manchmal noch, aber ich kann sie besser einordnen und an mir abprallen lassen.

TOP MAGAZIN: Gemeinsam mit Mechthild Schroeter-Rupieper hast du das Buch „Ich bin todesmutig“ veröffentlicht. Wie ist es dazu gekommen?

Benni Bauerdick: Mechthild war meine Ausbilderin in der Familientrauerbegleitung. Gemeinsam leiten wir Trauergruppen und haben vor einiger Zeit den Podcast „Todesmutig“ gestartet. Der Klartext-Verlag fragte uns, ob wir dazu ein Buch schreiben wollen. Zeit hatten wir eigentlich keine – aber das Thema ist so wichtig, dass wir es unbedingt wollten. Während des Schreibens starben sowohl Mechthilds als auch meine Mutter. Das hat das Buch noch emotionaler und bedeutungsvoller gemacht. Es ist für uns beide eine Herzensangelegenheit.

TOP MAGAZIN: Du bist in deinem Beruf sonst derjenige, der anderen Menschen Fragen stellt. Wenn du dich selbst interviewen würdest – welche Frage würdest du dir stellen?

Benni Bauerdick: „Wer will ich einmal gewesen sein?“ Diese Frage stelle ich mir oft. Ich möchte ein Mensch gewesen sein, mit dem man gerne Zeit verbringt. Ein Mensch, der gute Gespräche führt, der in Krisen ein Wegbegleiter ist, mit dem man aber auch leicht und laut lachen kann. Ein Mensch, der mutig war und sich seinen Gefühlen gestellt hat. Wenn andere das einmal über mich sagen, wäre das für mich ein schönes Vermächtnis.

Das ist Benni Bauerdick

Benni Bauerdick wurde 1988 in Lennestadt geboren. Seine Medienkarriere begann 2010 bei „Radio Siegen“, bevor er 2015 zum WDR-Sender „1LIVE“ wechselte und dort unter anderem die erfolgreiche „Morningshow“ moderierte. Heute ist er als Radio-Moderator, Fernsehreporter, Podcaster und TV-Redakteur für Formate wie den „Kölner Treff“ tätig.

Neben seiner journalistischen Arbeit ist Bauerdick ausgebildeter Trauerbegleiter und hostet die Podcasts „Fenster oder Gang?“ sowie „Todesmutig“. In Köln bietet er Trauergruppen und Einzelbegleitungen an.

Benni Bauerdick lebt in Köln, bleibt als gebürtiger Sauerländer aber eng mit seiner Heimat verbunden – und zwischen Radio, Fernsehen, Podcasts und Trauerarbeit vor allem eines: ganz nah am Menschen.

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