Vom Wirmer Wohnzimmer auf die große Bühne

Vom Wirmer Wohnzimmer auf die große Bühne

Schauspielerin, Moderatorin, Unternehmerin: Hanna Scholz hat vom kleinen Kirchhundem-Wirme aus die große Medienwelt erobert — und dabei ihre Sauerländer Bodenständigkeit nie abgelegt. Im TOP MAGAZIN spricht sie über ihren frühen Start vor der Kamera, die Zeit bei Nickelodeon, VIVA und MTV und warum ausgerechnet drei Kisten Limetten ihr zweites Standbein begründeten.

2026 187 Aufrufe Sauerland
Vom Wirmer Wohnzimmer auf die große Bühne

TOP MAGAZIN: Hanna, du bist im Sauerland geboren und aufgewachsen. Wie ist damals der Wunsch entstanden, Schauspielerin zu werden?

Hanna Scholz: Das hat tatsächlich im Wirmer Wohnzimmer angefangen. Meine Schwester wollte unbedingt Fotografin werden – und ich musste als kleine Schwester Modell stehen. Sie hat mich ständig vor die Kamera gestellt. Irgendwann zeigte meine Mutter die Fotos einer Freundin, die meinte: „Meldet die doch mal bei einer Modelagentur an.“ So kam ich nach Düsseldorf, später nach Köln. Spannend war: Bei großen Kampagnen wurden Making-of-Videos gedreht – aber ich durfte nichts sagen. Ich kam mir total bescheuert vor, nur stumm zu lächeln und die Haare zu schütteln. Da dachte ich: Da muss doch mehr gehen. Und so habe ich mich das erste Mal gefragt, wie man eigentlich Schauspielerin wird.

TOP MAGAZIN: Du bist dann mit 18 nach Köln gezogen, um eine Schauspielschule zu besuchen. Wie hat dein Umfeld reagiert?

Hanna Scholz: Ich war super aufgeregt. Ich bin sehr behütet in einem winzigen Dorf aufgewachsen – Köln war eine völlig andere Welt. Meine Mama war sofort Feuer und Flamme. Mein Papa hätte mich lieber in einer soliden Ausbildung gesehen. Aber irgendwann hat er gemerkt: Diesen Traum lasse ich nicht los. Aus meinem Freundeskreis kam nur Unterstützung. Viele sagten: „Hanna, wenn du das willst, kommen wir dich in Köln besuchen.“ Genau so war es dann auch.

TOP MAGAZIN:  Wie ging es danach für dich weiter?

Hanna Scholz: Überraschend schnell. Meine Modelagentur schickte mir eine Casting-Anfrage für die Nickelodeon-Serie Hotel 13. Ich dachte damals: „Ich mache das Casting, aber ich nehme den Job niemals an – ich will erst meine Ausbildung beenden.“ Dann kam Runde zwei, dann Runde drei.

Den entscheidenden Anruf bekam ich in der U-Bahn. Die fragten völlig trocken: „Bist du bereit, nach Antwerpen zu ziehen?“ Ich habe die ganze U-Bahn zusammengeschrien vor Freude. Plötzlich stand ich zwischen Alicia Keys und Heidi Klum auf dem roten Teppich und dachte: Was mache ich hier? Ich gehöre doch nach Wirme aufs Schützenfest.

TOP MAGAZIN:  Viele kennen dich auch aus deiner Zeit bei VIVA und MTV. Wie hast du diese Zeit erlebt?

Hanna Scholz: Ich bin mit Gülcan und Collien Fernandes aufgewachsen – plötzlich selbst Top 100 zu moderieren, war surreal. Diese Castingshow VIVA sucht dich! war einfach verrückt.

Und ich habe dort unglaublich spannende Menschen getroffen. Ein Musiker hat mir mal erzählt, dass seine Oma am Vortag gestorben war. Kurz darauf stand er live im Studio, als wäre nichts gewesen – und brach danach hinter der Bühne zusammen. Das hat mich beeindruckt: diese Mischung aus Professionalität und echter Verletzlichkeit.

TOP MAGAZIN:  Welche deiner Rollen bedeutet dir persönlich am meisten?

Hanna Scholz: Hotel 13 bleibt natürlich die erste große Liebe. Aber am meisten genieße ich heute Verstehen Sie Spaß?. Da ist alles improvisiert. Wir haben nur ein grobes Konzept – und wissen nie, wie die Menschen reagieren.

Ich merke manchmal erst während des Spiels, welchen Charakter ich heute brauche. Dieser Nervenkitzel, diese Spontaneität – das liebe ich.

TOP MAGAZIN: Viele kennen dich aus Film und Fernsehen. Aber du hast auch ein ganz anderes Projekt gestartet: deinen eigenen Ingwerlikör. Wie kam es dazu?

Hanna Scholz: (lacht) Durch drei Kisten Limetten! Während des zweiten Lockdowns in der Gastronomie sollten wir verderbliche Ware wegwerfen. Das konnte ich nicht zulassen. Also habe ich sie mitgenommen, einen Einkochkessel bestellt – so einen, den Omas fürs Marmelade kochen benutzen – und einfach losgelegt.

Ich hatte Ingwer zu Hause, habe Ansatzalkohol bestellt – klingt so, als hätte ich ein Problem, aber ich verspreche: Ich hatte alles unter Kontrolle! Meine Freunde waren begeistert, und irgendwann dachte ich: Vielleicht kann ich daraus wirklich ein Business machen. Heute wird mein Fräulein Scholz-Likör in Berlin verkauft – und sogar im Bundestag.

TOP MAGAZIN:  Gibt es Eigenschaften aus deiner Heimat, die dich bis heute prägen?

Hanna Scholz: Ganz viele. Das Glockenläuten um 18 Uhr als Zeichen, nach Hause zu kommen – das ist für mich Kindheit. Die Musikzüge, die Schützenfeste… außerhalb des Sauerlands glaubt einem ja keiner, dass wir auf Holzvögel schießen und Könige küren.

Und ja, vielleicht hat mich die Zeit im Kino Altenhundem sogar stärker geprägt, als ich dachte. Dort ist meine Faszination für Filme erst richtig gewachsen.

TOP MAGAZIN:  Und zum Schluss: Was Ziel, das du unbedingt noch erreichen möchtest?

Hanna Scholz: Ich habe ein paar spannende Anfragen auf dem Tisch. Wenn eine davon klappt, freue ich mich riesig – da darf ich aber noch nichts verraten.

Langfristig würde ich gerne wieder moderieren. Eine eigene Show wäre ein Traum. Mein ehemaliger VIVA-Kollege Jan Köppen hat es ja super vorgemacht. Vielleicht mache ich einfach Jan nach. (lacht)

 

Das ist Hanna Scholz

Hanna Scholz wurde 1992 in Lennestadt geboren und wuchs im Kirchhundemer Ortsteil Wirme auf. Mit 18 zog sie nach Köln, um an der Arturo-Schauspielschule ihre Schauspielausbildung zu beginnen. Ihren Durchbruch feierte sie mit der Nickelodeon-Serie Hotel 13, bevor sie als Moderatorin bei VIVA und MTV bundesweit bekannt wurde. Seit 2014 steht sie zudem regelmäßig als Lockvogel für Verstehen Sie Spaß? vor der Kamera.

Neben ihrer Arbeit in Film und Fernsehen gründete die Wahl-Berlinerin während des Lockdowns ihr eigenes Start-up Fräulein Scholz und vertreibt seitdem ihren handgemachten Ingwerlikör. Trotz ihres Lebens in der Hauptstadt reist sie regelmäßig in ihre Sauerländer Heimat. 

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