Frischer Wind in Netphen: Marco Müller steht seit November 2025 an der Spitze der Stadt Netphen. Der 39-jährige CDU-Politiker trat damit die Nachfolge des langjährigen Bürgermeisters Paul Wagener an. Marco Müller lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Netphen. Neben dem Amt als Bürgermeister betreibt er ein Augenoptiker-Geschäft in Kreuztal. In seiner Freizeit spielt er gerne Tischtennis, fährt Rad und angelt. Mit dem Wohnwagen verreist er gemeinsam mit seiner Familie. Wir haben uns mit ihm über Netphen und seine neue Position als Bürgermeister gesprochen.
Top Siegen-Wittgenstein: Was hat sich in Ihrem Alltag als Bürgermeister geändert?
Marco Müller: Wenn man selbstständig mit einem Augenoptik Geschäft ist, ist man im Ort bereits bekannt und wird zum Beispiel beim Rewe angesprochen. Also dass man angesprochen wird, ist man bis zu einem gewissen Grad schon gewöhnt. Das potenziert sich natürlich als Bürgermeister. Als Bürgermeister wird man auch an jeder Ecke angesprochen. Mich stört das nicht, mir macht das auch Spaß. Schwierig ist es, das zu kanalisieren. Man will die Probleme ja auch beheben. Und wenn man dann zwischen Tür und Angel angesprochen wird, bis zum Montag ist das auch nicht mehr im Gedächtnis. Da muss ich mir selber mal Mechanismen heranschaffen, wie beispielsweise die Informationen niederzuschreiben, damit ich es auch wirklich abarbeiten kann. Das ist vielleicht der Unterschied. Man ist einfach stärker in der Zeitung, stärker in der Öffentlichkeit. Extrem fällt es mir sogar im Urlaub auf, die Netphener sind überall. Ich habe jetzt bei jedem Urlaub einen angetroffen, der mich angesprochen hat.
Top Siegen-Wittgenstein: Welche Themen sind Ihnen für die Stadt Netphen wichtig?
Marco Müller: Ich sag’ mal, für Höhenflüge haben wir kein Geld und auch keine Möglichkeiten. Wir müssen erst mal unsere Hausaufgaben hier wieder machen. Ein großes Projekt in der Innenstadt steht in der Zukunft an. Der autofreie Hufeisenplatz, ein neuer Stadtgarten und die direkte Anbindung an die Sieg sind die ersten Stadtumbaumaßnahmen auf dem Weg zu einer lebens- und liebenswerten Netphener Innenstadt. Die Neugestaltung wird nicht nur Attraktivität, Aufenthaltsqualität und Bekanntheit steigern, sondern die Stadtmitte auch für die Zukunft in Zeiten des Klimawandels fit machen. Mit der Übergabe des Zuwendungsbescheids im Oktober 2025 wurde die Stadt Netphen in das Städtebauförderprogramm aufgenommen. Das Land Nordrhein-Westfalen und der Bund fördert die Maßnahmen mit 60 Prozent.“
Top Siegen-Wittgenstein: Was macht die Stadt Netphen für Sie so besonders?
Marco Müller: Netphen ist eine ganz interessante Kommune. Wir sind die drittgrößte Kommune von der Einwohnerzahl her. Aber für die Fläche, für diese Riesenfläche, die wir haben, sind es eigentlich relativ wenige Einwohner. Und das stellt uns vor eine besondere Herausforderung. Hier ist alles in die Länge gezogen, wir haben überall so kleine Inseln, also die Ortschaften. In Hainchen hat man beispielsweise andere Prioritäten als in Unlinghausen. Auch das musste ich erst lernen. Wir als Verwaltung müssen selber in die Ortschaften gehen und unsere Informationen platzieren. Da kommt uns natürlich die Arbeit der Ortsbürgermeister sehr entgegen. Während der regelmäßig stattfindenden Bürgerversammlungen können wir uns direkt mit den Menschen austauschen.
Top Siegen-Wittgenstein: Wie sieht für Sie der perfekte Tag in Netphen aus?
Marco Müller: An einem Samstag fahre ich Mountainbike in unseren schönen Wäldern, danach hole ich mir Brötchen und frühstücke in aller Ruhe. Dann würde ich einen großen Spaziergang durch die Wälder machen, am besten mit Blick auf die Obernau. Und zum Schluss gehe ich abends noch in eine unserer Hallen und spiele eine Runde Tischtennis.
Top Siegen-Wittgenstein: Wenn Sie Netphen mit drei Adjektiven beschreiben müssten, welche wären es?
Marco Müller: Das ist schwierig auf drei zu reduzieren, aber ich würde sagen: naturnah, ehrenamtlich, und ehrlich.