Bewusst genießen
Ein kleines Glas, ein unbekannter Duft, ein erster Schluck. Ist das fruchtig? Rauchig? Herb? Oder doch ganz anders als erwartet? Bei einem Tasting geht es längst nicht nur darum, etwas zu probieren. Es geht ums bewusste Wahrnehmen, ums Vergleichen – und darum, den eigenen Geschmack neu kennenzulernen.

Aus Probieren wird Erlebnis
Und manchmal beginnt der Genuss schon lange vor dem ersten Schluck. Bei einer Führung durch eine Brennerei wird Handwerk erlebbar, während eine Brauerei einen Blick hinter die Kulissen des Bierbrauens ermöglicht – manchmal sogar mit Blick hinaus auf die Sauerländer Landschaft.
„Aus einer Verkostung wird ein Erlebnis, das Genuss mit Geschichten, Handwerk und Regionalität verbindet.“
Olivier Ward,
Spirits- und Ginexperte

(Foto: © LisaGageler – stock.adobe.com)
Regionalität auf der Zunge
Ob kräftiger Whisky, aromatischer Gin oder frisch gezapftes Bier – im Sauerland gibt es vieles zu entdecken. Auch Kaffeeliebhaber kommen auf ihre Kosten, und selbst Öle können zum Tasting-Erlebnis werden: Verschiedene Sorten lassen sich mit etwas Brot verkosten und zeigen, wie unterschiedlich ein vermeintlich alltägliches Produkt schmecken kann. Wer genauer hinschmeckt, entdeckt dabei nicht nur feine Unterschiede und besondere Aromen, sondern oft auch ein Stück Region: ihre Landschaft, ihre Geschichte und ihre Genusskultur.
Flüssig, aber alles andere als eintönig
Whisky und Gin wollen erschnuppert, Bier verglichen und Kaffee bewusst verkostet werden. Unterschiedliche Sorten, Aromen und Herstellungsverfahren machen aus bekannten Getränken kleine Entdeckungsreisen. Und beim Blind Tasting wird es sogar ein bisschen knifflig: Wie sicher ist man sich eigentlich beim eigenen Geschmack? Gerade solche Aha-Momente gehören für Marc Hütwohl, Braumeister und Biersommelier, zum Reiz eines Tastings: „Oft überrascht es die Teilnehmer, dass ihnen ein bestimmtes Bier doch viel besser schmeckt als erwartet.“
So wird Bier richtig verkostet
1| Schauen
Farbe und Schaum geben den ersten Eindruck.
2| Riechen
Das Glas leicht schwenken und bewusst auf die Aromen achten.
3| Probieren
Erst jetzt folgt der erste Schluck. Geschmack und Mundgefühl wahrnehmen und mit dem ersten Eindruck vergleichen.
Gut zu wissen:
Auch die Form des Glases und die Temperatur
beeinflussen, wie ein Bier wahrgenommen wird.

(Foto: © Maksim Shebeko – stock.adobe.com)
Genuss mit Biss
Auch kulinarisch gibt es in der Region einiges zu entdecken. Hochwertiges Fleisch, regionale Spezialitäten und besondere Kombinationen machen aus dem Tasting ein Erlebnis für Gabel und Gaumen. Beim sogenannten Food-Pairing werden Getränke und Speisen gezielt aufeinander abgestimmt. Denn je nach Kombination können sich Aromen gegenseitig hervorheben, ergänzen oder bewusst kontrastieren. Gerade Bier bietet dafür zahlreiche Möglichkeiten: Unterschiedliche Sorten bringen ganz eigene Aromen mit und können ein Gericht auf eine völlig neue Weise begleiten.
„Wenn Bier und Speise aufeinander abgestimmt sind, entsteht oft ein ganz neues Geschmackserlebnis“, erklärt Marc Hütwohl, Braumeister und Biersommelier. Vom einzelnen Snack zur Verkostung bis hin zum kompletten Bier-Menü mit passender Begleitung zu jedem Gang reicht die Bandbreite. Ein Beispiel: Wagyu-Rind, das für seine feine Marmorierung und besonders zarte Fleischstruktur bekannt ist. Bei einer Verkostung lässt sich diese besondere Qualität ganz bewusst Bissen für Bissen erleben.

Geschmack in Bewegung
Wer die Region nicht nur schmecken, sondern dabei auch erleben möchte, kann Genuss und Landschaft miteinander verbinden. Bei Genuss-Touren, Bier- oder Whiskywanderungen wird die Verkostung selbst zum Teil des Ausflugs. Und auch abseits von Glas und Flasche gibt es einiges zu entdecken: Bei Kräuterwanderungen geht es hinaus in Wald und Wiese, wo Wildkräuter und Heilpflanzen am Wegesrand entdeckt und näher kennengelernt werden können. So wird die Landschaft selbst zum Ausgangspunkt für neue Geschmackserlebnisse.

Saisonale Spezialitäten
Gerade im Herbst gibt es in der Region einiges zu entdecken. Auf Höfen laden Kürbis-Tastings und Verkostungen dazu ein, die vielen Facetten des Herbstklassikers kennenzulernen. Denn Kürbis kann weit mehr als Suppe: Ob herzhaft gewürzt oder süß als Kuchen oder Pumpkin Spice Latte verarbeitet – seine Einsatzmöglichkeiten sind erstaunlich vielfältig. Gemeinsam mit saisonalen Begleitern wie Kohl gehört er für viele zur gemütlichen Herbstküche und sorgt mit warmen Gerichten für wohlige Genussmomente, wenn die Tage kürzer werden. Auch auf Herbstfesten und regionalen Märkten gehört das Probieren dazu: Schokolade, Brotaufstriche, Dips, Trockenfrüchte und andere Spezialitäten machen den Bummel schnell zu einer kleinen kulinarischen Entdeckungsreise.

Ein Erlebnis für die Sinne
Denn vielleicht liegt genau darin der Reiz eines Tastings: Es geht nicht darum, möglichst viel zu probieren, sondern darum, sich auf etwas einzulassen. Auf neue Aromen, unbekannte Produkte, spannende Geschichten und die Menschen im Hintergrund. So wird aus einem kleinen Genussmoment eine Entdeckungsreise durch die Region – und aus einer Verkostung eine Erinnerung, die vielleicht noch lange nach dem letzten Schluck bleibt.
Drei Fragen an Felix Weber
Küchenchef und Sternekoch der Hofstube Deimann (1 Michelin-Stern)
TOP SAUERLAND: Was macht für Sie ein gutes Tasting aus?
Felix Weber: Es gilt, verschiedene Aromen zu entdecken, die ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Entscheidend ist die Balance – etwa von Süße und Säure. Auch unterschiedliche Texturen und Temperaturen können ein Geschmackserlebnis prägen: Crunch von frittierten Algen, die Süffigkeit einer Sauce oder warmes Wildragout mit kalten Preiselbeeren.
TOP SAUERLAND: Wie wichtig ist bewusstes Schmecken?
Felix Weber: Das Produkt selbst steht bei uns im Mittelpunkt und muss klar nach sich selbst schmecken – unabhängig davon, wie es zubereitet wurde. Statt aufwändiger Inszenierung wird es mit wenigen Zutaten unterstrichen. Wer sich Zeit nimmt, erkennt die Idee hinter dem Gericht – auf dem Teller und auf der Zunge.
TOP SAUERLAND: Kann ein Tasting den Blick auf ein bekanntes Produkt verändern?
Felix Weber: Auf jeden Fall. Jedes vertraute Produkt lässt sich anders zubereiten und immer wieder neu entdecken. Blumenkohl kennen die meisten beispielsweise nur gekocht – in der Pfanne gebraten schmeckt er ganz anders.