Vom Hennesee zu den Olympischen Spielen

Vom Hennesee zu den Olympischen Spielen

Olympiateilnehmerin, Weltcupsiegerin, dreifache U23-Weltmeisterin: Alexandra Föster gehört seit Jahren zur deutschen Ruder-Elite. Trotz ihrer internationalen Erfolge ist die Meschederin ihrer Heimat treu geblieben und trainiert bis heute auf dem Hennesee – gemeinsam mit dem Trainer, der sie einst auf einem Straßenfest zum Rudersport brachte. Im TOP MAGAZIN spricht sie über ihren Weg von Meschede zu den Olympischen Spielen, die besondere Atmosphäre in Paris und ihre Ziele für die Zukunft.

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Vom Hennesee zu den Olympischen Spielen

TOP SAUERLAND: Alexandra, du bist in Meschede aufgewachsen. Welche Erinnerungen an deine Heimat kommen dir als Erstes in den Sinn?

 

Alexandra Föster: Vor allem die Natur. Als Kind war ich oft mit meinen Schwestern, meinem Vater und meinem Opa im Sauerland unterwegs. Mein Opa hat immer gesagt: „Schaut aus dem Fenster und schaut euch die Landschaft an.“ Damals fand ich das als Kind ehrlich gesagt überhaupt nicht spannend und habe lieber nach Kühen oder Rehen Ausschau gehalten. Heute verstehe ich viel besser, was er meinte. Gerade weil ich durch den Sport viel unterwegs bin, weiß ich die Ruhe hier sehr zu schätzen. Wenn ich nach Hause komme, ist das für mich ein echter Ruhepol.

 

TOP SAUERLAND: Wie hat deine Geschichte im Rudersport begonnen?

 

Alexandra Föster: Tatsächlich auf einem Straßenfest in Meschede. Einer meiner Nachbarn war Trainer beim Ruderclub und wollte unbedingt, dass ich das Rudern ausprobiere. Am Ende hat er mich das ganze Wochenende auf seinen Schultern herumgetragen, damit ich zusage. Er hat einfach nicht locker gelassen. Ich habe es dann ausprobiert – und bin geblieben. Das Verrückte ist: Er ist bis heute mein Trainer. Gemeinsam haben wir es bis zu den Olympischen Spielen geschafft.

 

TOP SAUERLAND: Wann hast du gemerkt, dass aus dem Hobby mehr werden könnte?

 

Alexandra Föster: Einen einzelnen Moment gab es eigentlich nicht. Ich war relativ früh bei Wettkämpfen erfolgreich und hatte immer das Ziel, einmal bei einer Weltmeisterschaft zu starten. Mit jedem Jahr kamen neue Erfahrungen und neue Ziele dazu. Es war eher ein Prozess als eine konkrete Entscheidung.

 

TOP SAUERLAND: Wie sieht ein ganz normaler Tag im Leben von Alexandra Föster aus?

 

Alexandra Föster: Meistens beginnt er morgens um sieben Uhr. Danach geht es direkt zum Training am Hennesee. Nach dem Mittagessen kümmere ich mich um mein Studium. Am späten Nachmittag steht die zweite Trainingseinheit an – entweder auf dem Wasser, im Kraftraum oder auf dem Rennrad. Abends versuche ich noch etwas Gymnastik einzubauen, bevor der Tag endet. Langweilig wird es jedenfalls nicht.

 

TOP SAUERLAND: Du studierst neben dem Leistungssport Praktische Informatik. Warum war dir das wichtig?

 

Alexandra Föster: Für mich stand immer fest, dass ich neben dem Sport noch einen zweiten Weg verfolgen möchte. Rudern ist ein wunderschöner Sport, aber keiner, in dem man automatisch ausgesorgt hat. Außerdem brauche ich den geistigen Ausgleich. Wenn ich den ganzen Tag nur rudern würde, wäre ich wahrscheinlich auch ein bisschen geistig unterfordert. Das Studium fordert mich auf eine ganz andere Weise als der Sport.

 

TOP SAUERLAND: Gab es Momente, in denen du daran gezweifelt hast, ob sich der Aufwand lohnt?

 

Alexandra Föster: Natürlich. Gerade nach Niederlagen oder Verletzungen fragt man sich schon einmal, ob der ganze Einsatz gerechtfertigt ist. Ich glaube aber, dass solche Zweifel ganz normal sind. Wer einen gesunden Intellekt hat, zweifelt auch mal an seinen Entscheidungen. Gleichzeitig gibt es immer wieder Momente, die einen daran erinnern, warum man diesen Weg gewählt hat.

 

TOP SAUERLAND: Über welchen sportlichen Erfolg hast du dich bislang am meisten gefreut?

 

Alexandra Föster: Wahrscheinlich über meinen Weltcupsieg 2022 in Luzern. Damit hatte wirklich niemand gerechnet. Wenn die eigenen Erwartungen so deutlich übertroffen werden, ist die Freude besonders groß. Auch mein dritter U23-WM-Titel mit Weltbestzeit gehört zu den Momenten, die ich nie vergessen werde.

 

TOP SAUERLAND: 2024 hast du dir den Traum von Olympia erfüllt. Wie hast du die Spiele in Paris erlebt?

 

Alexandra Föster: Das war überwältigend. Die Atmosphäre, die vielen Menschen, die olympische Tradition – all das spürt man in jedem Moment. Im Olympischen Dorf hat man Athleten aus den unterschiedlichsten Sportarten und Ländern getroffen. Man hatte wirklich das Gefühl, Teil von etwas ganz Besonderem zu sein. Und ehrlich gesagt hat man sich manchmal auch ein bisschen wie ein Star gefühlt. Die Volunteers waren unglaublich freundlich, überall wurde versucht, den Athleten die bestmöglichen Bedingungen zu bieten. Man hat einfach gemerkt: Dort dreht sich alles um den Sport.

 

TOP SAUERLAND: Gibt es Eigenschaften, die man mit dem Sauerland verbindet und die dir heute helfen?

 

Alexandra Föster: Vielleicht die Bodenständigkeit. Ich hoffe zumindest, dass ich sie mir bewahrt habe. Dankbar zu bleiben und die Dinge wertzuschätzen, die man hat, finde ich wichtig – im Sport genauso wie im normalen Leben.

 

TOP SAUERLAND: Und zum Schluss: Was sind deine Ziele für die kommenden Jahre?

 

Alexandra Föster: Sportlich ist Los Angeles 2028 natürlich ein großes Ziel. Außerdem möchte ich meinen Master erfolgreich abschließen. Damit habe ich erst einmal genug zu tun. (lacht)

 

 

Das ist Alexandra Föster
Alexandra Föster wurde 2002 in Meschede geboren und rudert seit ihrem elften Lebensjahr für den Ruderclub Meschede. Bereits als Juniorin gehörte sie zur Weltspitze und gewann 2019 den Titel bei den Junioren-Weltmeisterschaften im Einer. Es folgten drei U23-Weltmeistertitel, ein Weltcupsieg im schweizerischen Luzern sowie die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris.
Neben dem Leistungssport absolvierte die Meschederin ein Studium der Elektrotechnik und studiert aktuell Praktische Informatik. Trotz ihrer internationalen Erfolge lebt sie weiterhin in ihrer Heimatstadt Meschede und trainiert dort auf dem Hennesee. Ihr nächstes großes sportliches Ziel: die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.

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Foto: ITH Schraubtechnik

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Foto: Yannick Schurwanz / feedbuilders

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