Mit bewussten Pausen ans Ziel:  „Ich bin eher Sprinter  als Marathonläufer“

Mit bewussten Pausen ans Ziel: „Ich bin eher Sprinter als Marathonläufer“

Als WDR-Moderator der „Lokalzeit Südwestfalen“ war Stefan Fuckert lange das Gesicht der Region, als Sportreporter kommentierte er unter anderem den Boxkampf zwischen Wladimir Klitschko und Anthony Joshua. Im Gespräch spricht er über seinen Weg vom Siegerland in die Medienwelt, die Kraft des Sports und der Kunst, auch nach beruflichen Veränderungen seinen eigenen Weg zu gehen.

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Mit bewussten Pausen ans Ziel:  „Ich bin eher Sprinter  als Marathonläufer“

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Wenn du heute nach Siegen kommst: Gibt es einen Ort, bei dem du sofort wieder das Gefühl hast, zu Hause zu sein?

 

Stefan Fuckert: Das sind tatsächlich mehrere Orte. Wenn ich von Köln über die A4 komme, ist für mich die Sandhalde des Monte Schlacko immer ein Stück Heimat – gerade bei der Fahrt durchs Hüttental Richtung Siegen. Die ist zwar nicht unbedingt schön, aber ich bin mit dem Blick auf die Edelstahlwerke aufgewachsen. Das gehört für mich einfach dazu.
Wenn ich einen echten Herzensort nennen müsste, wäre es aber ganz klar die Altstadt. Mein Großvater hat dort ein Haus, mein Vater ist dort aufgewachsen und ich war als Kind deshalb oft dort. Die Altstadt, das Obere Schloss und der Blick über die Stadt – gerade mit dem Krönchen – sind für mich einfach etwas Besonderes. Aber am Ende ist es vor allem dieses Gefühl: Es ist Siegen.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Du hast deine Karriere in Siegen begonnen und später unter anderem bei RTL, ntv und dem WDR gearbeitet. Was hast du aus dem Siegerland mitgenommen?

 

Stefan Fuckert: Ich glaube, das Siegerland hat mich robust gemacht für eine Karriere – gerade im Medienbereich, aber auch für andere Dinge, bei denen es darum geht, auf Menschen zuzugehen und Wirkung zu erzielen. Was Kommunikation, Offenheit und Smalltalk angeht, sind wir im Siegerland vielleicht nicht unbedingt für unsere überschwängliche Art bekannt. Ich hatte schon früh viele Ideen und habe Dinge einfach ausprobiert. Das wurde nicht immer sofort verstanden. Gerade deshalb habe ich gelernt, für Ideen einzustehen und andere dafür zu gewinnen.
Das war für mich eine gute Schule. Ich wusste: Ich habe ein Ziel. Vielleicht kann ich es hier nicht sofort verwirklichen, aber wenn ich es hier schaffe, dann kann ich es auch woanders schaffen.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Du hast als Sportreporter schon viele spannende Situationen erlebt. Gibt es einen Moment vor der Kamera, an den du dich bis heute besonders erinnerst?

 

Stefan Fuckert: Mein absolutes Karrierehighlight war 2017 in London: Klitschko gegen Joshua im Wembley-Stadion. Das war eigentlich der Kampf des Jahrhunderts. Du hast zehntausende Menschen um dich herum, eine riesige Inszenierung und Millionen Menschen, die zu Hause zuschauen. Weil wir damals keinen direkten Zugriff auf die Regie hatten, habe ich fast zwei Stunden am Stück durchkommentiert.
Irgendwann hatte ich das Gefühl, nicht mehr nur am Rand zu sitzen, sondern selbst irgendwie mitzukämpfen. Die Stimmung und diese unglaubliche Emotionalität waren einfach Wahnsinn. Ich konnte die gesamte Nacht danach nicht schlafen, weil ich noch so aufgedreht war. Auch heute ist dieser Abend noch ganz tief in mir drin.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Was ist für dich die größere Herausforderung: einen Boxkampf live zu kommentieren oder eine Nachrichtensendung zu moderieren?

 

Stefan Fuckert: Beides verlangt unterschiedliche Fähigkeiten. Beim Boxen kommt aber eine besondere Unberechenbarkeit hinzu: Du weißt nie, was in der nächsten Sekunde passiert. Du musst extrem konzentriert und komplett im Moment sein – das ist ein bisschen wie mit 250 PS auf der Autobahn. Du musst ein gutes Auge entwickeln und sehr schnell reagieren.
Ich würde sagen, das ist 50 Prozent Talent und 50 Prozent Arbeit. In Drucksituationen ruhig zu bleiben, sich gut auszudrücken und die richtigen Worte zu finden, die man vorher nicht zurechtgelegt hat – das ist Talent. Das Handwerk dahinter ist aber genauso wichtig: Vorbereitung, Struktur und Abläufe, die einem Sicherheit geben.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Nach deiner Zeit als Gesicht der „Lokalzeit Südwestfalen“ hast du dich beruflich neu orientiert. Was beschäftigt dich heute?

 

Stefan Fuckert: Ein paar Dinge sind noch nicht spruchreif. Was ich aber sagen kann: Ich habe eigentlich schon immer auf zwei Beinen gestanden. Ich wusste, dass ich nicht nur im Fernsehen arbeiten möchte, sondern habe mich beispielsweise auch mit Konzeptentwicklung im Fitnessbereich und dem Rudelturnen beschäftigt.
Als das feste Standbein beim WDR weggefallen ist, musste ich zum ersten Mal sehr grundsätzlich überlegen: Was von dem, was ich in vielen Jahren Medien gelernt habe, lässt sich eigentlich noch alles daraus machen? Moderation und Sportjournalismus gehören weiterhin zu mir, gleichzeitig interessieren mich Konzeptentwicklung, Kommunikation und neue Formate. Natürlich habe ich auf diesem Weg auch Dinge ausprobiert, die nicht funktioniert haben. Aber genau daraus ist heute ein viel klareres Bild entstanden, was ich kann und wo ich hinmöchte.
Was ich daran besonders schön fand: Als ich das offen kommuniziert habe, kamen Menschen auf mich zu und sagten: „Lass uns mal sprechen, ich habe da etwas, das könnte passen.“ Und diese Menschen kamen aus Südwestfalen und aus Siegen. Das hat mir noch einmal gezeigt, was man an dieser Region hat. Gerade persönliche Kontakte und Menschen, die an dich glauben, sind unglaublich viel wert.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Wenn du einmal nicht moderierst, kommentierst oder vor der Kamera stehst: Womit bekommst du den Kopf frei?

 

Stefan Fuckert: Natürlich mit Sport. Ich habe meine Bewegungsroutine, die ich gerne jeden Tag mache, weil ich mich dadurch einfach wohlfühle. Mein großer Antrieb ist, möglichst lange gesund und fit zu bleiben und dieses Leben zu genießen.
Gleichzeitig merke ich, dass ich noch mehr Dinge brauche, bei denen ich wirklich komplett im Moment bin. Ich habe zum Beispiel mit Wakeboarden angefangen und würde auch gerne wieder häufiger Kampfsport machen. Acrylmalerei finde ich ebenfalls spannend. Ich habe das einmal ausprobiert und hatte richtig Spaß daran.
Ich bin eher Sprinter als Marathonläufer – ich brauche Pausen dazwischen. Deshalb sage ich auch bewusst: Jetzt ist Feierabend. Weniger ist mehr. Wenn ich etwas in kurzer Zeit nicht schaffe, muss ich eher meine Arbeitsweise hinterfragen, als einfach immer noch mehr Stunden draufzupacken.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Gibt es etwas, das du beruflich oder persönlich noch unbedingt ausprobieren möchtest?

 

Stefan Fuckert: Wenn ich noch einmal ein großes Ereignis begleiten dürfte, würde ich sehr gerne wieder in die USA. Ich war bisher erst einmal dort und finde Nordamerika unglaublich spannend. Auch Asien würde mich reizen. Wenn sich das mit einer TV-Produktion oder beispielsweise den Olympischen Spielen verbinden ließe, wäre das natürlich großartig. Gegen Los Angeles 2028 hätte ich jedenfalls nichts.
Ansonsten lasse ich vieles gerne auf mich zukommen. Ein paar private Challenges habe ich mir aber auch noch vorgenommen: Ich möchte in Geisweid vom Zehn-Meter-Brett springen. Siebeneinhalb Meter habe ich inzwischen geschafft, für die zehn muss ich nächstes Jahr wahrscheinlich noch ein bisschen Mut zusammennehmen. Und beim Wakeboarden möchte ich im kommenden Jahr natürlich auch vernünftig auf dem Brett stehen.

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