TOP SAUERLAND: Fabian, du bist in einer deutsch-spanischen Familie in Warstein aufgewachsen und hast später deine Leidenschaft für Sprache zum Beruf gemacht. Welche Rolle hat Sprache schon in deiner Kindheit gespielt?
Fabian Navarro: Schon bevor ich richtig schreiben konnte, habe ich Bücher gemacht – mit Buchstaben, die ich eigentlich nur imitiert habe. Ich erinnere mich auch daran, dass ich mit einem Schulfreund einmal ein eigenes Buch gestaltet habe. Gleichzeitig habe ich früh viel gelesen, vor allem Kinder- und Detektivgeschichten wie die „Knickerbocker-Bande“ oder „TKKG“.
TOP SAUERLAND: Du hast bereits während deiner Schulzeit mit Poetry Slam angefangen. Erinnerst du dich noch an deinen ersten Auftritt – und was hat sich seitdem für dich auf der Bühne verändert?
Fabian Navarro: Mein erster Auftritt war im Schlachthof Soest, kurz vor meinem Abitur. Ich hatte damals noch viel zu lernen, aber das Format hat mich sofort begeistert. Über YouTube-Videos bin ich überhaupt erst auf Poetry Slam aufmerksam geworden. Ich habe mich damals mit drei anderen Leuten zu einer Veranstaltung angemeldet – am Ende war ich derjenige, der bis heute nicht aufgehört hat.
TOP SAUERLAND: Du bist als Poetry Slammer auf der Bühne, schreibst Bücher und gibst Workshops in kreativem Schreiben. Was reizt dich daran, zwischen diesen unterschiedlichen Formen des Schreibens und Arbeitens zu wechseln?
Fabian Navarro: Mir wird sonst schnell langweilig. Wenn ich nur eine Sache mache, habe ich das Gefühl, dass sich mein Blick irgendwann verengt. Deshalb finde ich es spannend, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und mich immer wieder an etwas Neuem auszuprobieren.
TOP SAUERLAND: Wenn man drei Katzenkrimis schreibt, liegt die Vermutung nahe, dass Katzen bei dir eine besondere Rolle spielen. Was fasziniert dich an ihnen – und haben deine eigenen Katzen schon einmal als Inspirationsquelle für eine Geschichte gedient?
Fabian Navarro: Ich habe zwei Katzen, Pixel und Tinte. Als Kind durfte ich nie Katzen haben. Heute finde es faszinierend, ein Tier so eng in den eigenen Alltag und die Familie zu integrieren – und natürlich sind sie einfach süß.
Als Inspirationsquelle dienen sie mir tatsächlich auch. Die drei Katzen im zweiten Band meiner „Miez Marple“-Reihe sind zum Beispiel eins zu eins von unseren Katzen inspiriert, wie sie als Kitten waren und ständig Unfug gemacht haben. Wenn ich beim Schreiben zu Hause sitze und zu meinen Katzen hinüberschaue, hilft mir das manchmal schon, mir bestimmte Szenen oder Figuren vorzustellen.
TOP SAUERLAND: Mittlerweile lebst du in Wien und bist dort auch mit Lesungen und Auftritten unterwegs. Was hat dich an Wien gereizt – und fühlt sich die Stadt inzwischen wie ein Zuhause an?
Fabian Navarro: Wien ist für mich inzwischen definitiv ein Zuhause. Ich bin seit 2016 in Österreich und habe hier viele tolle Menschen kennengelernt. Gerade die Literatur- und Slamszene hat mich damals sehr herzlich aufgenommen.
Was ich an Wien liebe, ist die Mischung aus Kultur und Gemütlichkeit. Es gibt diese besondere Kaffeehauskultur, die auch meinem Schreiben entgegenkommt. Ich arbeite nämlich viel lieber im Café als zu Hause.
TOP SAUERLAND: Was aus deiner Zeit im Sauerland ist trotzdem bis heute Teil von dir geblieben?
Fabian Navarro: Ich glaube, das Aufwachsen im Sauerland bekommt man gar nicht aus sich heraus. Gerade wenn ich in einer größeren Stadt bin, merke ich, wie sehr ich die Natur und die Ruhe schätze. Ich wohne momentan an einer relativ lauten Straße und denke schon darüber nach, bei der nächsten Wohnung wieder etwas mehr ins Grüne oder an den Stadtrand zu ziehen.
Auch dieses Gefühl von Heimat ist geblieben. Wenn ich Menschen aus dem Sauerland oder der Umgebung höre, freue ich mich immer und erkenne sofort etwas Vertrautes. Das klingt dann für mich nach Zuhause. Und ich glaube, eine gewisse Sehnsucht nach dieser Gemütlichkeit bleibt einfach.
TOP SAUERLAND: Was möchtest du in den nächsten Jahren unbedingt noch ausprobieren – gibt es eine Geschichte, ein Buch, eine Bühne oder ein Projekt, das noch auf deiner persönlichen Wunschliste steht?
Fabian Navarro: Ich habe tatsächlich noch einige Buchideen, die ich unbedingt umsetzen möchte. Außerdem habe ich in letzter Zeit Game Development für mich entdeckt und würde irgendwann gerne ein größeres Computerspiel entwickeln. Auch ein Hörspiel würde ich gerne noch produzieren. Ansonsten lasse ich mich bei den Bühnen und Projekten gerne überraschen. Meistens ist mein nächstes Ziel aber erst einmal, das aktuelle Buch fertigzustellen – und dann schaue ich, was daraus entsteht.
Das ist Fabian Navarro
Fabian Navarro wurde in Warstein geboren und wuchs in einer deutsch-spanischen Familie auf. Schon während seiner Schulzeit entdeckte er seine Leidenschaft für Poetry Slam und stand erstmals im Schlachthof Soest auf der Bühne. Nach seinem Studium der Literaturwissenschaft in Hamburg zog es ihn 2016 nach Wien. Dort lebt und arbeitet er heute als Autor und Poetry Slammer, gibt Workshops für kreatives Schreiben und schreibt unter anderem die „Miez Marple“-Katzenkrimis. Neben Büchern und Bühnenauftritten beschäftigt er sich inzwischen auch mit neuen Projekten wie Game Development und Hörspielen.