Vom Siegerland auf die große Fußballbühne

Vom Siegerland auf die große Fußballbühne

Geboren in Freudenberg, ausgebildeter Elektroniker, später Sozialhelfer – und heute fester Bestandteil des Profikaders beim SC Paderborn 07: Sven Michel kennt nicht nur das Leben als Fußballprofi, sondern auch den Alltag jenseits des Sports.

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Vom Siegerland auf die große Fußballbühne

Früh aufstehen, körperlich arbeiten, Verantwortung übernehmen – Erfahrungen, die ihn bis heute prägen. Im Gespräch mit dem TOP MAGAZIN Siegen spricht er über seine Wurzeln, seinen ungewöhnlichen Karriereweg und die Frage, ob ihn sein Weg irgendwann zurück in die Heimat führen könnte.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Sven, du bist in Freudenberg geboren und aufgewachsen. Welche Bilder kommen dir spontan in den Kopf, wenn du an deine Kindheit im Siegerland denkst?

 

Sven Michel: Viel Natur, viel draußen sein, Freunde treffen – und einfach ein sehr bodenständiges Umfeld. Das war eine schöne, unbeschwerte Zeit. Man kannte sich, man war viel unterwegs, hat auf Bolzplätzen gespielt. Das Siegerland ist vielleicht nicht die größte Region, aber genau das macht es besonders.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Welche Rolle spielt die Heimat heute noch für dich?

 

Sven Michel: Eine große. Familie und alte Freunde sind dort – das bleibt einfach. Wenn ich ins Siegerland komme, fühlt sich vieles sofort vertraut an. Man merkt, wo man herkommt. Das gibt einem auch ein Stück Ruhe, gerade wenn man sonst viel unterwegs ist.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Wann hattest du erstmals das Gefühl, dass es mit dem Profifußball wirklich klappen könnte?

 

Sven Michel: Als sich die Chance auf die zweite beziehungsweise erste Liga ergeben hat. Da musste ich eine Entscheidung treffen: Ziehe ich meine Ausbildung weiter durch oder wage ich den Schritt in den Profifußball? Das war kein Selbstläufer. Ich habe mich bewusst für das Risiko entschieden – und im Nachhinein war es die richtige Entscheidung.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Dein Weg zum Profifußball war eher ungewöhnlich. Du hast zunächst eine Ausbildung gemacht und gearbeitet. Wie sehr prägt dich das bis heute?

 

Sven Michel: Sehr. Ich habe als Elektroniker in einer Gießerei gearbeitet – das ist körperlich anstrengend. Früh aufstehen, lange Tage. Später habe ich auch als Sozialhelfer gearbeitet und mit Kindern, älteren und eingeschränkten Menschen zu tun gehabt. Das sind Erfahrungen, die einen erden. Wenn man weiß, wie hart viele Menschen für ihr Geld arbeiten, ist man umso dankbarer für den Beruf, den ich heute ausüben darf. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Würdest du sagen, man hat es aus einer Region wie dem Siegerland schwerer, Profi zu werden, als aus einem Ballungsraum?

 

Sven Michel: Ich glaube, grundsätzlich ist alles möglich. Auch aus dem Siegerland sind einige Profis hervorgegangen. Natürlich gibt es hier nicht die ganz großen Strukturen wie in manchen Regionen. Aber wenn man dranbleibt und bereit ist, Umwege zu gehen, kann man seinen Weg machen.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Du hast selbst für die Sportfreunde Siegen gespielt. Wie blickst du heute auf den Verein, der aktuell in der Regionalliga West spielt?

 

Sven Michel: Ich glaube, da steckt sehr viel Potenzial drin. Es ist der größte Verein der Region. Wenn man Talente gut entwickelt, clever scoutet und langfristig arbeitet, kann man sportlich einiges bewegen. Man sieht ja immer wieder, dass Spieler von dort den nächsten Schritt schaffen.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Wie sieht dein Alltag als Profi heute aus – abseits der Spiele?

 

Sven Michel: Morgens fahre ich gegen halb zehn los. Wenn es passt, bringe ich vorher noch meine Tochter in die Kita. Im Trainingszentrum frühstücke ich, oft gibt es eine Videoanalyse zur Vor- oder Nachbereitung. Danach geht es in den Kraftraum, wir aktivieren uns und trainieren auf dem Platz 70 bis 90 Minuten. Anschließend stehen Regeneration, Behandlung oder Sauna an. Manchmal gibt es nachmittags noch eine zweite Einheit. Es ist schon ein strukturierter Alltag.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Du hast viele Jahre deiner Profikarriere beim SC Paderborn verbracht. Was macht den Verein für dich besonders?

 

Sven Michel: Der Verein ist sehr familiär. Man fühlt sich einfach wohl – und das merkt man oft erst, wenn man mal weg war. Hier laufen viele Dinge richtig, auch im Umgang miteinander. Viele Spieler sagen später, wenn sie wechseln: Vielleicht verdient man woanders etwas mehr, aber dieses Gefühl ist nicht selbstverständlich.

 

TOP SIEGEN-WITTGENSTEIN: Könntest du dir vorstellen, eines Tages noch einmal für einen Verein aus dem Siegerland aufzulaufen?

 

Sven Michel: Das werde ich öfter gefragt. Ganz ehrlich: Ich kann mir schwer vorstellen, mir in der Kreisliga noch die Knochen kaputtzutreten zu lassen. (lacht) Aber mit meinen Jungs später noch ein bisschen zu kicken – warum nicht? Vielleicht zieht es mich irgendwann auch in eine Trainerrolle. Ob im Profibereich oder im Amateurfußball, weiß ich nicht. Aber die Verbindung zur Heimat bleibt auf jeden Fall.

 

 

Das ist Sven Michel

Sven Michel wurde 1990 in Freudenberg geboren und wuchs im Siegerland auf. Seine fußballerische Ausbildung begann in der Region, unter anderem bei den Sportfreunde Siegen. Anders als viele heutige Profis absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Elektroniker und arbeitete in einer Gießerei, später auch als Sozialhelfer.
Über mehrere Stationen führte ihn sein Weg schließlich in den Profifußball. Michel spielte unter anderem für den SC Paderborn 07, 1. FC Union Berlin und den FC Augsburg. Dabei absolvierte der Offensivspieler bislang mehr als 80 Spiele in der Bundesliga sowie über 120 Partien in der 2. Bundesliga. Den größten Teil seiner Karriere verbrachte er beim SC Paderborn 07, wo er sich über viele Jahre als wichtiger Offensivspieler etablierte.
Trotz seines Lebensmittelpunkts in Ostwestfalen ist die Verbindung ins Siegerland nie abgerissen. Familie, alte Freunde und die Erinnerungen an die Bolzplätze seiner Kindheit sind für ihn bis heute ein fester Anker. Im Mai krönte Michel die Saison mit dem SC Paderborn 07 durch den Aufstieg in die Bundesliga und kehrt damit erneut ins deutsche Fußball-Oberhaus zurück.

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